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Call of Duty: Black Ops 3 – Review: Schöne neue Welt?

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Mit Call of Duty: Black Ops 3 steht das neueste Call of Duty schon seit ein paar Tagen allen Spielern zur Verfügung. Getreu unseres “Auch mal über den Tellerrand gucken!”-Ansatzes – den wir bis jetzt eher vernachlässigt haben… – gibt es jetzt den Testbericht mit allen wichtigen Infos: Wie gut ist die Kampagne? Was ist mit den Zombies und dem Zukunftszeug los? Macht der Multiplayer wieder Freude und Spaß oder steht uns der nächste überladene Shooter ins Haus, in dem fünfzig Tarnungen als Belohnung dafür locken, wenn man sich nur oft genug von nervtötenden Abschussbelohnungen ins Nirwana bomben lässt? Und ist die Technik endlich einmal so, dass man sich auf das Modding-Versprechen freuen kann? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen findet ihr hier und heute in unserem mittelgroßen Testbericht zu Call of Duty: Black Ops 3.

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Krieg ist nicht immer gleich

Wenn wir ein neues Call of Duty kriegen, dann stürzen wir uns als allererstes in den Singleplayer-Modus. Eine packend inszenierte Kampagne, tolle Setpieces – das ist und war schon immer Call of Duty. Die Kampagne entführt uns in Black Ops 3 nun erstmals in die wirklich etwas weiter entfernte Zukunft, wirft quasi alles der beiden “Black Ops”-Teile über Bord und gibt uns dafür neue Möglichkeiten, Feinde um die Ecke zu bringen. Da man am besten fährt, wenn man Black Ops 3 selber spielt, verraten wir nur so viel: Als bestens vernetzter Supersoldat mit speziellen Neuronalimplantaten können wir ziemlich flott nicht mehr unterscheiden, was Realität ist und was nicht – ein Thema, das sich gerade auch durch das erste Black Ops gezogen hat. Das hat anno dazumal aber mit seiner trashigen Geschichte gefühlt den besseren Job gemacht, weil die Welt verständlicher, die Motive glaubwürdiger, der Twist cooler und die Zusammenhänge offensichtlicher (und nicht hinter viel Technikgerede, das man erst nach und nach versteht versteckt) waren. Wie bereits bei Black Ops 2 muss man in Black Ops 3 etwas warten, bis die Geschichte um künstliche Intelligenz, Verrat und die Frage, was echt ist, wirklich zündet. Und selbst als geduldiger Sci-Fi-Fan muss man sagen: Black Ops 3 sabbelt ewig lange um seine coole Technik herum, bis es zur Sache kommt. Das ist zwar für detailversessene Fans cool – und die Geschichte mit oftmals guten Charakteren, Überraschungen, sich nach und nach entwirrenden Zusammenhängen und Co. macht auch sehr viel Laune – kann aber auch anstrengend wirken.

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Losgespielt und an der Wand lang

Lassen wir die Geschichte und konzentrieren wir uns aufs Ballern: Spielerisch ändert sich dann dank der cooler Hightech-Geschichten auch einiges. Die brandneuen Boosterjumps und Wallruns machen Laune, dazu dürfen wir verschiedene Fähigkeiten in drei Fähigkeitenbäumen aufleveln und auch nach Lust und Laune einsetzen. Aus Black Ops 2 bereits bekannt ist die Anpassung der Ausrüstung vor dem Einsatz. Dank unserer Fähigkeiten können wir mehr tun als in bisherigen Titeln und haben mehr Möglichkeiten – eine Drohne zu übernehmen ist beispielsweise sehr viel cooler, als nur ein paar Feinde mit Nanobots (sehen aus wie ein Bienenschwarm) auszuschalten. Wer die richtigen Fähigkeiten hat, hat viele Möglichkeiten, die reichhaltig im Level platzierten Feinde zu bekämpfen – so muss das sein. All das klingt nicht nur cool – das ist es auch: Die neuen Möglichkeiten erweitern sinnvoll das Gameplay und sorgen dafür, dass man je nach Ausrüstung wirklich anders spielt Das ist sogar ein Extralob wert, weil Treyarch hier wieder einmal weiter geht als die Entwickler anderer „Call of Duty“-Teile.

Krieg bleibt immer gleich

Allerdings bleibt auch vieles gleich: Das jeweilige Level ist trotz der Neuerungen recht linear, die Feinde sind viele und geballert wird in prächtigen exotischen Locations und mit bombastischen Setpieces. (Ihr merkt schon: Dass vieles gleich bleibt, ist mitnichten schlecht oder ein Kritikpunkt.) Menschliche und künstliche Gegner – ja, es gibt Roboter… – stellen je nach Schwierigkeitsgrad durch ihre schiere Masse eine passende Herausforderung dar. Wer allein nicht weiterkommt – wir haben die teilweise gefühlt zu viel Lebensenergie habenden Robo-Feinde gehasst… – kann auch mit drei Freunden losziehen und die Kampagne kooperativ bestreiten. Das bietet noch einmal neue Möglichkeiten und macht viel Freude. Wer am Ende der Kampagne angelangt ist, bekommt dann die Option, alles nochmal in einer Parallelwelt zu spielen, in der Zombies die Menschen überrennen – die Gespräche und Zwischensequenzen wurden entsprechend neu vertont. Das ist cool und macht stellenweise fast mehr Laune als der Kampf gegen blöde schießende Panzerrobotor. Irgendwie hat man aber trotz allem Lob und allen Neuerungen immer wieder dieses doofe Gefühl, dass es doch besser gehen müsste und dass gerade Treyarch genau das auch schon gezeigt hat. Während man also einerseits sechs bis sieben Stunden sehr gut unterhalten wird, sogar genug Wiederspielwert vorfindet und nach dem Finale sicher nachdenklich ist, ist man andererseits vielleicht doch auch ein bisschen ernüchtert, weil Treyarch schon wieder nicht den Mut hatte, das Spiel wirklich komplett umzukrempeln. Trotzdem: Der Singleplayer ist sehr cool geworden.

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Jeder liebt Zombies!

Zombiemäßig hat sich Treyarch – abseits der Kampagnenoption – wieder etwas Neues ausgedacht: Im Chicago der vierziger Jahre mit vier irgendwie kriminellen Gestalten um unser Leben zu ballern ist einfach cool. Das Setting erinnert stellenweise an Bioshock – und das meinen wir als gigantisches Lob. Spielerisch regiert dann der – sehr gute… – Coop-Zombie-Standard von Treyarch: Für verursachten Schaden gibt es Punkte, für die man neue Levelteile freischalten, Munition kaufen oder ein umfassendes Set an Waffen freischalten kann. Mit diversen  Powerups – eins verwandelt uns in ein Tentakelmonster! – und einer wie gewohnt über Hinweise und Co. präsentierten Geschichte dürfen sich Zombie-Fans auf ein echtes Schlachtfest freuen. Deutsche Fans freuen sich dazu auch noch doppelt: Die USK hatte dieses Mal nichts mehr gegen zerplatzende, explodierende und bluttriefende Zombiehorden einzuwenden, wodurch wir die volle Gewaltbreitseite bekommen.

Helden braucht das Multiplayer-Land

Ein Sprung in den Multiplayer belehrt uns auf den allerersten Blick, dass sich mal wieder Grundlegendes ändert: Ab sofort wählt man einen von 10 Helden aus, der eine exklusive passive Fähigkeit oder eine Spezialwaffe benutzt. Damit man die sehr mächtige Fähigkeit oder Waffe nicht ewig einsetzt, gibt es einen Countdown dafür – je mehr Punkte man macht, desto schneller geht es. Das System erinnert an Titanfall und macht viel Freude; trifft aber dummerweise auf den Standard von Call of Duty. Das heißt im Klartext: frei konfigurierbare Ausrüstung inklusive verschiedener Perks, anpassbarer Waffen und die typischen Scorestreaks. Das Ergebnis ist oftmals leider keine große Freude: Nicht nur, dass man sich jetzt auf ein RDX-Auto (hat man seit dem ersten Black Ops dabei), Luftschläge und sonst etwas konzentrieren muss, die Minimap im Auge behalten sollte, dazu im dank Wallrunning und noch rasanterem normalen Geballer zielgenau schießen muss – nein, jetzt kann uns ein Gegner plötzlich mit einem Flammewerfer killen, uns mit einer Spezialpistole onehitten, uns mit einem Spezialgranatenwerfer sprengen oder uns einfach ohne Vorwarnung per Durckwelle erledigen. Die Gefechte sind damit noch weniger vorhersehbar oder lesbar – es herrscht selbst bei der mickrigen Begrenzung auf 12 Mann pro Server das nackte Chaos. Selbst eine Runde Team Deathmatch auf Noshahr Canals in Battlefield 3 mit 64 Mann ist taktischer und weniger hektisch. Und selbst wenn Black Ops 3 niemals ein Taktikshooter sein will: Stellenweise ist es einfach zu viel Hektik, Durcheinander und eben auch Glück oder Pech.

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Schön, gut aber gleich

Auch die Maps schaffen es nicht, uns vom Hocker zu hauen. Klar: Sie sehen nett aus. Und ja: Es sind wieder exotische Settings und sehr viel otpische Abwechslung dabei. Selbst das Fehlen eines Serverbrowsers überstehen wir dank gutem Matchmaking und dedizierten Servern ohne Murren. Die Maps spielen sich auch durch die Bank gut: Sie sind nicht zu groß, extrem verwinkelte Stellen halten sich in Grenzen, es gibt immer irgendwo Action – das ist schön. An ein paar Stellen gibt es Möglichkeiten zum Wallrunning, was zwar nie in dem Umfang wie in Titanfall umgesetzt wurde – und darum auch nicht an Titanfall herankommt – die Maps aber um noch eine weitere Ebene bereichert. Ein richtiges Hassschlachtfeld haben wir auch noch nicht gefunden. Aber die Kehrseite dieses Dienstes nach Vorschrift ist ganz einfach: Wenn sich alles ähnelt, dann wird nichts herausstechen. Wir haben keine Lieblingsmap. Wir sagen nicht “Geil, endlich!” Wir spielen eine Map nach der anderen – und das Gameplay unterscheidet sich fast nie. Es gibt nicht die große Sniper-Map, die kleine verwinkelte SMG- oder Schrotflinten-Map oder die Map, auf der Gefechte über mittlere Distant dominieren. Das Besondere, das Aufregende – es fehlt einfach. Man muss nie seine Strategie anpassen, man kann immer die gleiche Waffe und Ausrüstung einpacken – wer andere Shooter gewöhnt ist, könnte von Langeweile sprechen, die sich irgendwann breit macht. Und das, obwohl die Maps durch die Bank an und für sich gut sind.

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Bringt das in Ordnung

Der fehlende Mut zum Risiko und zum Polarisieren zieht sich leider weiter durch den Multiplayer, was angesichts der fast schon sklavisch mitgeschleppten Altlasten zum Problem wird. Preisfrage: Wie sorgt man dafür, dass der, der zuerst schießt, wirklich immer gewinnt? Genau: Man muss extrem hohen Waffenschaden mit massivem Flinching (die getroffene Spielfigur zuckt bei Beschuss unkontrolliert, wodurch man nicht zielgenau schießen kann…) verbinden. Weil das noch nicht reicht, sind die Waffen – nach Black Ops 2 wollen wir “Schon wieder…” schreiben – merkwürdig ausbalanciert worden. Eine hohe Feuerrate ist prinzipiell fast immer der Weg zum Sieg, weil alle Waffen einen hohen Spread haben und man so sichergeht, dass zumindest ein paar Kugeln den spastisch zuckenden Gegner in zehn Metern treffen. Die Krönung des Hasses ist aber ein halbautomatisches Scharfschützengewehr: Wer sich damit etwas weiter entfernt von den Gegnern vor einer Engstelle platziert, darf Taubenschießen betreiben und sahnt Abschüsse ohne Ende ab. Weil das noch nicht alles ist, gibt es Tretminen in rauen Mengen, Granaten für alle und die Heldenfähigkeiten. Und Abschussbelohnungen wie ein unsichtbares Kampfschiff, dass die halbe Map unter Beschuss nimmt. Oder ein ferngesteuertes RDX-Auto, dass man dank dem hohen Tempo nie bemerkt. Oder ein Raketenschwarm, der auf Spieler aufschaltet. Das Ergebnis ist eine Balance, die uns oft ratlos und entnervt zurücklässtt: Man kann dominieren, klar. Aber fast alles scheint dem Zufall überlassen: Woher kommt der nächste Feind? An der Wand entlang? Per Boostjump? Oder per Powerslide? Campt er vielleicht und wartet darauf, mich unter Beschuss zu nehmen, wo ich dann dank Flinching chancenlos sein werde? Oder hat er eine Spezialwaffe seines Helden aktiviert und wird so oder so das Gefecht mit einem 15 Meter weit reichenden Flammenwerfer gewinnen? Und wann kracht mir der nächste Raketenangriff auf den Kopf? Es gibt fast nur zwei Optionen: Campen wie ein Profi oder wie ein Irrer auf  Speed über die Map turnen und Dauerfeuer geben. Und dazu bitte beten, dass man das Quäntchen Glück hat…

Wer hat diese Technik verbrochen?!

Bevor wir zum Ende unseres Tests kommen, haben wir für alle PC-Spieler noch eine wirklich traurige Nachricht: Die Technik ist eine Schande. Wir reden nicht davon, dass es maximal 12 Mann pro Server gibt. Wir meinen auch nicht die optisch ganz gute Optik – die reisst zwar keine Bäume aus, bietet keinerlei Zerstörung oder Dynamik und sieht dazu noch schwächer als Battlefield 4 aus, das zwei Jahre alt ist, zumindest 64 Mann und Zerstörung bietet. Was wir meinen ist Folgendes: Die Performance ist aus der Hölle. Selbst mit einer Nvidia GTX980 kann man auf Ultra-Einstellungen in Full HD Performance-Probleme kriegen. Ein PC, der das um Welten besser aussehende Star Wars Battlefront in Ultra mit 60 FPS stemmt, gerät in gerade einmal hohen Einstellungen selbst bei 30 Bildern pro Sekunde an seine Grenzen. Dazu kommt die vermutlich dümmste Technik-Idee aller Zeiten: Die Maussensivität ist an die Bildwiederholungsrate gekoppelt, die – wie sollte es auch anders seink… – gerne wie ein besoffener Seemann im Orkan auf einem kenternden Schiff schwankt. Der Trick, um überhaupt etwas zu treffen, lautet also: Framerate fix auf den etwa niedrigsten Wert begrenzen – und das sind oft schlappe 30 Bilder pro Sekunde. Da helfen die an sich nette Optik, der  ganz passable Sound und die sonst absturzfreie Technik auch nicht mehr weiter: Auf dem PC ist Black Ops 3 ein technischer Reinfall mit viel zu hohen Anforderungen für das, was am Ende geboten wird.

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Call of Duty: Black ops 3 – Review: Nur Dienst nach Vorschift

Call of Duty: Black Ops 3 ist kein schlechtes Spiel. Es ist auch kein schlechtes Call of Duty. Ganz im Gegenteil: Die Kampagne kann mit einer überraschenden – wenn auch offenen und teilweise verworrenen – Geschichte Singleplayer-Fans sogar begeistern. Der Zombie-Mous, die alternative Zombie-Kampagne – all das sind nette Dreingaben, die viel Inhalt, Spielspaß und Wiederspielwert bieten. Der Multiplayer, der am Ende aber die Fans für Monate begeistern soll, ist aber leider eine ziemlich eindeutige Enttäuschung. Klar: Treyarch hat neue Dinge in den Multiplayer gepackt. Und man hat sich sogar zugetraut, mit den Helden die althergebrachte Formel zu verändern. Anstatt aber wirklich da anzusetzen, wo es hakt – Flinching, Gunplay, Map-Design, Scorestreaks… – und bei den Entscheidungen, bei denen man aber wirklich den Unterschied hätte machen können (beispielsweise: Scorestreaks komplett entfernen und nur die Heldenfähigkeiten nutzen, die man dann sogar etwas aufbretzeln könnte), hat man dann aber gekniffen. Nun ist das Fehlen der großen Revolution auch absolut kein Drama, wenn man da anpacken würde, wo es noch Macken gibt. Aber genau hier fällt Black Ops 3 mindestens genau so übel auf die Metallschnauze wie die letzten Titel: Nervtötende Abschussbelohnungen, stellenweise sehr unfair balancierte Waffen, das nervige Flinching bei feindlichen Treffern und das Gefühl, dass es egal ist, auf welcher Map man spielt, sind Dinge, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollten und die in einem Multiplayer-Shooter von 2015 fehl am Platz sind. Die Kombination aus dem neuen Movement, den neuen Helden und all dem, was Call of Duty in den letzten Jahren an Ballast angesammelt hat (Scorestreaks, nervige Gadgets, sehr kurze Time to Kill), ist oft ärgerlich und hilft der Serie nicht weiter. Anders gesagt: Da, wo Call of Duty so dringend eine Frischzellenkur benötigt hätte, ist nichts passiert. Vermutlich reicht vielen Fans das, was man bekommt, mehr als aus. Wer aber mit den letzten Serienteilen nicht warm geworden ist und nicht verzweifelt Zombies killen oder eine schicke Kampgane spielen will, kann und sollte Black Ops 3 einfach auslassen. Und auf dem PC sollte man – trotz des Versprechens auf im März kommende Mod-Tools… – sogar einen ganz großen Bogen um das aktuelle Call of Duty machen, bis die technischen Fehler behoben sind.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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