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Battlefield Hardline – Was passiert ist und zum Misserfolg führte

battlefield-hardline-wallpaper-4Fangen wir mit einer ganz einfachen Wahrheit an: Battlefield Hardline ist kein Spiel, das hohe Spielerzahlen hat. Plattformübergreifend sind selten mehr als 40.000 Spieler online – ein Wert, den das eineinhalb Jahre ältere Battlefield 4 regelmäßig allein auf dem PC (!) pulverisiert. Angesichts solcher Zahlen kann man sich fragen, was genau und warum schief gelaufen ist. Und weil das niemand so wirklich macht – abgesehen von teils ziemlich hämischen „Ha! Das Ding ist tot! Haha!“-Postings, die ansonsten den Informationsgehalt einer Todesanzeige haben, die Nelson Muntz aufgegeben hat… – machen wir es jetz also einfach mal. Happy reading…

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Von Anfängen, wie sie schlimmer nicht sein könnten

Battlefield Hardline wurde nicht angekündigt, sondern nach allen Regeln der Kunst geleakt. Erst war es Battlelog und die Vorbereitung auf die E3-Alpha. Dann folgte ein Uralt-Video für Investoren. Und als es schon jeder wusste, machte gleich auch noch Sony mit und veröffentlichte erste Screenshots des Polizei-Battlefields. Ehrlich: Es gibt bessere Arten, um der Gaming-Welt vorgestellt zu werden. In Kombination mit dem noch sehr frisch im Hinterkopf steckenden Launch-Debakel von Battlefield 4 – wir erinnern uns: Abstürze, Bugs, Netcode-Probleme aus der Hölle und Co. quälten Millionen Spieler über Monate und der rettende Netcode-Patch für Battlefield 4 war gerade erst erschienen… – hatte Hardline zumindest mal einen Start aus der Vorhölle. Das kombiniert man dann noch mit einer der beiden Urängste aller Battlefield-Fans, die alles lieber wollen als jährliche Neuauflagen wie bei Call of Duty – und schon hatte Battlefield Hardline einen veritablen Fehlstart hingelegt, bevor auch nur ein Wort offiziell gesagt worden war. Und selbst wenn nichts davon wirklich etwas mit Spielqualität und Co. zu tun hatte: In den Augen vieler Spieler war Battlefield Hardline nicht mehr als ein weiterer Schritt der Battlefield-Serie zu kürzeren Entwicklungszyklen, weniger Support, dem Abkassieren von Publisher EA und dem – gerade damals oft kolportierten… – Ende der geliebten Serie. Zu allem Überfluss stieß auch das Setting nicht gerade auf die große Gegenliebe. Mal ernsthaft: Uns fällt kein Titel ein, der unter schlimmeren Vorzeichen angekündigt wurde.

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Angst essen Chancen auf

Bis hierhin sollte man in der Nachbetrachtung fairerweise sagen: Entwickler Visceral Games hatte an keinem dieser Dinge eine echte Schuld. Release-Termine stammen vom Publisher, Battlefield 4 stammt von DICE und für Leaks kann der Entwickler im Normalfall auch nichts. Ein neues Setting kann auch immer eine Chance sein. Was danach passierte, lag aber sehr wohl an Visceral Games: Nachdem man sich mit dem Setting auf jeden Fall etwas ausgesucht hatte, was zumindest für Kontroversen sorgen würde, fehlte der Mut, wirklich ein anderes Spiel zu bauen. Und so war das Announcement im Stile von „Hier – es ist E3 und ihr könnt sofort die Alpha zocken!“ auf der EA-Pressekonferenz im Juni 2014 dummerweise etwas, was viele Leute in ihrer Abneigung gegenüber Hardline bestärkte. Trotz neuer Modi und einem – größtenteils… – neuen Fuhpark war das Polizei-Battlefield einfach extrem ähnlich zu Battlefield 4. Polizisten und Verbrecher mit Raketenwerfern passten nicht gut zum Setting; auch ein Scout-Heli mit Heatseeker-Raketen wirkte unpassend und dass es Muscle Cars ohne Handbremse gab, wirkte da für viele Beobachter nur passend zu den Befürchtungen. Am Ende wirkte Hardline im Juni 2014 – und damit keine fünf Monate vor dem geplanten Launch… – wie ein mittelgroßes Addon für Battlefield 4. Die große Chance, die miese Stimmung mit einem echten Knaller zu drehen, hatte man also auf jeden Fall verpasst. In späteren Interviews haben die Entwickler immer wieder gesagt, dass sie die Community nicht mit zu vielen Neuerungen überfallen wollten – wenn das stimmt, dann war es ein weiteres Missverständnis und ein falsches Herangehen aufgrund falscher Erwartungen an die Community.

Ist der Ruf erst ruiniert…

Das Ergebnis war auf jeden Fall verheerend: Selbst optimistische und positive Fans, die einem Polizei-Battlefield optimistisch gegenüberstanden (oder gegenüberstehen wollten), waren bestenfalls mäßig begeistert. Und während die Entwickler für diverse Dinge (die jährliche Neuauflage lag an EA, das „Battlefield 4“-Debakel bei DICE, dass es ein anderer Entwickler war, war einfach nur logisch, und das andere Setting dürfte bei EA, DICE und nur zu einem kleinen Teil Visceral Games beschlossen worden sein) nichts konnten, schien die damalige Spieleversion die Befürchtung der Fans zu bestätigen. Das Schreckgespenst von jährlichen Battlefield-Neuauflagen mit nur geringen Neuerungen war sehr greifbar. Das Verdikt stand für viele Fans und Spieler spätestens jetzt fest: Das war nichts. Und während sich die öffentliche Meinung in der realen Welt bestenfalls langsam ändert, passiert das in der Gaming-Welt maximal in Zeitlupe: Presse und Fans hatten sich auf Hardline erfolgreich – und teilweise eben auch zu Recht – eingeschossen. Dass das Polizei-Battlefield dann noch vor der GamesCom um fast ein halbes Jahr verschoben wurde und die Entwickler ordentlich nachbesserten, war da fast nur noch eine Randnotiz. Der negative Eindruck hatte sich bei der Masse der Spieler so verfestigt, dass wir selbst heute noch in den – unvermeidlichen… – „Warum ist Battlefield Hardline kacke / nicht kacke“-Diskussionen Argumente zu der E3-Version von 2014 zu hören bekommen. Kurz: Im Juni 2014 haben viele Spieler das Interesse am Polizei-Battlefield von Visceral Games komplett verloren gehabt.

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Zu spät ist zu spät

Alles, was danach folgte – die neuen Features, die komplett umgekrempelte Balance, die Aufteilung der Ausrüstung für die Fraktionen – kam für das Meinungsbild zu spät. Auch die technisch saubere Open Beta Anfang 2015 konnte nichts mehr daran ändern, dass Hardline konstant im Kreuzfeuer kritischer Aussagen stand. Dabei wurde es den Kritikern auch vom Spiel selbst leicht gemacht: Eine oft nicht ganz auf „Battlefield 4“-Niveau stehende Grafik trafen auf das Setting, dass auch ohne die ganze Vorgeschichte ein Knackpunkt für Hardline geworden wäre. Am Ende ist Battlefield eben für den Großteil der Fans ein Militär-Shooter – fluchende Cops und Verbrecher, wilde Verfolgungsjagden mit aus den Fenstern heraushängenden Spielern und Co. passen für viele damit nicht zusammen. Auch der Umstand, dass Hardline kein absolutes Killer-Feature hatte, hat trotz dem sehr sauberen Launch mit den nur guten Wertungen und eben auch nur ordentlichen Verkaufszahlen zu tun. Angesichts von Battlefield 4 – das konstant weiter verbessert wurde – und den dortigen Inhaltsmassen (vor allem mit Premium) wirkte Hardline dann für viele Spieler noch einmal kleiner und weniger reizvoll. Generell wird in Testberichten oft auch nur auf die Zahl an Inhalten geschaut – wenig Waffen sind dann eben ein Kritikkpunkt, obwohl es der Balance und der Identität der Gefechte sogar gut tun mag (und von vielen Spielern in Battlefield 4 sogar gefordert wurde). Die geringe Menge an Inhalten hatte dann auch – wie davor bei Titanfall… – damit zu tun, dass die Spielerzahlen recht flott fielen. Die Ankündigung von Premium vor dem Launch half dann auch nicht direkt weiter.

Es ist, wie es eben ist

Battlefield Hardline ist aus unserer Sicht also aus gleich mehreren Gründen kein großer Erfolg geworden: Vom Spiel aunabhängige Geschichten wie das „Battlefield 4“-Launch-Debakel trafen auf eine erste anspielbare Version, die einfach mutlos und unnspiriert wirkte. Die Furcht der Community vor jährlichen Neuauflagen kam dann noch dazu. Auch dass das Setting in großen Teilen der Communuity nicht gut angekommen ist, hat viel damit zu tun, dass Hardline von Beginn negativ betrachtet wurde. Natürlich kann man sich heute auf den Standpunkt stellen, dass die Launch-Version von Battlefield Hardline das nicht verdient hatte. Und klar: Wenn die Änderungen, die Battlefield Hardline nach der E3 durchlief, prominenter in der Berichterstattung gewesen wären und sich Spieler und Presse ein Stück weit dazu entschlossen hätten, dem Polizei-Battlefield zumindest in der Open Beta noch eine faire Chance zu geben und unvoreingenommen an das Thema heranzugehen, dann wäre es vielleicht etwas anders gekommen. Am Ende hätte das Krikpunkte wie die nur sehr gute Grafik und die schmale Menge an Inhalten aber auch nicht unbedingt entkräftet. Und das Setting mag für den Spielspaß und die Qualität objektiv betrachtet unwichtig sein; bei der Masse an guten Titeln und der starken Konkurrenz ist auch so etwas für die Kaufentscheidung zentral. Nicht zuletzt lag es auch an der Konkurrenz – 2015 erschienen unter anderem ein neues Call of Duty, Star Wars: Battlefront, Halo 5, Rainbow Six Siege und Squad.

Und jetzt aber so richtig zu spät

Und damit sind wir auch schon in der aktuellen Zeit angekommen. Battlefield Hardline wird von Visceral Games sehr gut gepflegt – bisher weit über 20 kostenlose neue Waffen, frische Nachtvarianten bestehender Maps, das Competitive Matchmaking, immer besser werdende DLCs, eine konstant verbesserte Technik und Mehr sprechen eine deutliche Sprache. Aber das ändert an den Spielerzahlen nichts, die eben immer noch sehr niedrig sind. Daran wird wohl auch in Zukunft nichts etwas ernsthaft ändern können. Man kann darüber jammern und klagen. (Bringt nichts.) Man kann sich darüber freuen. (Wirkt mies.) Am Hier und Jetzt ändert das nichts. Vielleicht kann es nicht schaden, Hardline einfach mal über Origin Access anzuspielen – wer sich etwas darauf einlässt, bekommt einen tollen Shooter, der den Fokus auf Infanterie-Fights und ein paar leichte Fahrzeuge legt. Vor allem Shooter-Freunde, die etwas Abwechslung und frisches Futter benötigen, können – wenn sie kein Squad oder ARMA erwarten… – nichts falsch machen.  Denn Battlefield Hardline ist eben auch ein sehr guter Multiplayer-Shooter. Es ist kein Battlefield 4, es ist kein Battlefield 3, es ist auch kein Call of Duty – es ist Hardline. Es belohnt gute Waffenbeherrschung und schnelle Reaktionen. Es hat coole Maps, die sich wirklich gut spielen. Die Klassenbalance ist so gut, dass man wirklich jede Klasse effektiv und sinnvoll nutzen kann. Und die leichten – und im Normalfall von Handfeuerwaffen beschädigbaren… – Fahrzeuge legen den Fokus auf die Infanterie und bringen gleichzeitig Action, Tempo und etwas Chaos hinein. Kurz: Battlefield Hardline macht viel Laune. Man kann über Details reden – wer sich auch immer RPG-Pickups aus Kofferräumen für den Hotwire-Modus ausgedacht hat, gehört mit einem geschlagen – aber am Ende ist Hardline ein sehr guter und sehr gut funktionierender Shooter. Nur die Spielerzahlen zeigen das nicht.

Anmerkung: Wir wollen euch ab und an mehr Dinge als nur Nachrichten liefern. Aus diesem Grund werfen wir in Zukunft – wenn euch das interessiert… – ab und an einen Blick hinter die Kulissen, Ausrufezeichen und sonstigen Geschichten. Wer Vorschläge, Wünsche und Ideen hat, soll die uns natürlich unbdingt verraten…

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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