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Need for Speed – Review: Tuning, Fremdschämen und Fahrten durch die Nacht

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Es ist immer Nacht in Need for Speed. Ich fahre jetzt ziellos durch diese ewige Nacht. Ich werde die Sonne niemals sehen, während ich den Straßen folge. An mir rauschen Gebäude vorbei. Ein Laster kommt mir entgegen. Eine Familienkutsche rumpelt gemütlich dahin. Im Radio dröhnen Bässe. Mein Handy bimmelt. Ich gehe jetzt nicht dran. Nicht jetzt, während ich auf diese riesige und wunderschöne Brücke zuhalte. Von ihr kann man die halbe Stadt sehen. Diese wunderschöne, riesige, herrliche, kleine, verdreckte Stadt mit ihren Industriegebieten, den Häfen, den Wolkenkratzern. Es könnte alles voller Menschen sein, aber man sieht niemanden, bis auf ein paar verloren wirkende Fahrzeuge. Auf ihnen schimmern Regentropfen, die Straße schimmert feucht und die Lichter blenden mich. Es ist tiefe Nacht und ich muss weiter. Herzlich Willkommen zu meinem Test von Need for Speed!

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A New Beginning (No Dawn Though)

Man hat mir gesagt, dass dieses Need for Speed ein Neuanfang sein soll. Eine Rückbesinnung auf all die Dinge, die die Fans rund um das Jahr 2005 geliebt haben: Tuning, Trash. Trashige Geschichten im Stil von Fast and Furious. (#Rip Paul Walker.) Eine offene Welt, abwechslungsreiche Rennen. Car-Kultur. Aber kann man Fans mit etwas begeistern, was über zehn Jahre alt ist und heute nur schöner aussieht? Während ich die nächste Ausfahrt nehme, ist dieses Versprechen eine Million Jahre weit weg. Wie die Zeiten damals, als ich Underground 2 spielte. Als ich noch jünger, die Welt einfacher, das Internet leerer und DLC noch nicht als Wort existierte. Zumindest das gilt auch hier: Ich werde keinen Cent mehr in Need for Speed stecken müssen und könnte das nicht einmal, selbst wenn ich das wollte.

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Cringeworthy, Bro!

Während ich jetzt durch das Industriegebiet jage, schweifen meine Gedanken zurück zum Anfang dieser Geschichte. Ich bin irgendwann in Ventura Bay angekommen und plötzlich saß da dieser Typ neben mir und hat gelabert. So ein junger schmächtiger Typ mit Mütze, der auf total cool gemacht hat. Hat mir gesagt, dass ich großes Potential habe und die Gang treffen sollte. Ich weiß auch nicht, was der hat, aber mit den Bro-Fists hat der es dezent übertrieben. Sonst ist er ganz okay, obwohl er viel Müll labert. Aber wer tut das nicht? Egal. Also: Ich habe dann die Gang kennengelernt. Nette Leute, ein bisschen verrückt. Einfach voll die Klischee-Abziehbilder, obwohl sie einem irgendwann irgendwie ganz symapthisch rüberkommen. Die könnten locker aus einem „Fast and Furious“-Remake mit Jungschaupielern stammen.  Der Hipster in mir sagt, dass das voll meta und retro und darum eigentlich voll cool ist, während der verbitterte alte Mann in mir das, was ich damals abgefeiert und als charmant empfunden habe, als blödes pseudo-cooles Proll-Getue hatet. (Und verpisst euch von meinem Rasen, ihr Punks!) Vielleicht war es damals auch schon scheisse und ich habe das nur nicht kapiert und will es jetzt einfach nur gut finden? Ich weiß es nicht. Aber hier beim Fahren habe ich meine Ruhe und werde mir dazu Gedanken machen.

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I Can Haz Tuning?

Direkt zum Anfang habe ich auch diese Amy kennengelernt. Die bastelt in ihrer Garage an Autos, träumt davon, ihr Bastler-Idol zu treffen und hat mir gleich ein Auto überlassen. Die Leute hier sind eben oft netter als die Normalos da draußen. Jeder will sein Idol kennenlernen. Ich weiß noch, wie ich mich bei dem Tuning angefreundet habe. Das normale Optiktuning, bei dem ich mir nach und nach erst das Vertrauen des Händlers erfahren musste, indem ich einfach mehr Erfahrung sammle, ist altbekannt. Aber es ist deshalb eben nicht nur irgendein x-beliebiges Auto, sondern meins. Und dann diese coole Lackierung, die ich entworfen habe. Ganz neu ist das Leistungstuning, mit dem ich mein Auto an meinen Fahrstil, kommende Events und alles anpasse. Mein Auto ist ein Driftmonster mit brutal viel Power – durch Kurven fahre ich am liebsten einfach nur quer. Das bringt meinem Ruf auch etwas, selbst wenn niemand das sehen kann, weil grade wieder alles rund um mich herum leer und einsam ist. Alles was ich mache, bringt mir und meinem Ruf-Level etwas. Wer will in der Mitte so einer beschissenen verregneten Nacht auch durch diese Stadt fahren, außer mir und noch ein paar Leuten, die Benzin im Blut haben? Auf jeden Fall: Ich kann so fahren, wie ich das will. Freiheit ist mir wichtig, und meine Karre soll das auch repräsentieren. Vielleicht sieht kaum jemand das, selbst wenn alle Leute in dieser Stadt so tun, als ob alles vor Leben platzt. Ich sehe nur Ödnis, Leere, Lichter, Regen, schimmernde Pfützen und ein Renn-Event nach dem nächsten.

Call Me Maybe

Mein Handy meldet sich wieder. Ich ignoriere es wieder – nicht, weil es mich nervt, sondern weil ich verdammt nochmal immer noch im inneren Monolog bin und darum nicht gestört werden will. Konzentration ist wichtig! Man wird mir sowieso wieder ein neues Event ankündigen, an dem ich teilnehmen kann. Dazu werde ich durch diese wunderschön hässliche Stadt rasen, zum Startpunkt kommen, das Rennen starten und dann geht es los. Mal ist es ein Rundkurs, mal ein Drift-Event, mal ein Checkpoint-Rennen, mal ein Sprint oder eine Variante davon. Und mal gewinnt man, mal verliert man – das Tuning entscheidet meistens darüber und Fehler wie Frontalzusammenstöße verzeiht diese Stadt nur selten. Manchmal kommen mir meine Gegner ein bisschen schwach vor, fast so, als ob sie mich kurz vor Schluss trotz eines Frontalzusammenstoßes mit einem Laster manchmal gewinnen lassen. Aber das ist selten der Fall. Meistens fühlen sich die Siege so an, dass man sie sich erarbeiten musste. Jedes Gang-Mitglied hat seine eigenen Events, zu denen man mich unbedingt dabei haben muss; zur Belohnung gibt es Erfahrungspunkte und Geld. Damit darf ich dann tunen und ein noch besseres Auto kaufen.Wer aber auf den Gedanken gekommen ist, dass man in der Garage nicht direkt erfährt, wo es jetzt ein neues Leistungstuning-Teil gibt, gehört extrem fest getreten.

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So Much And Still So Little

Manchmal begegne ich auf meinen Streifzügen durch die leeren Straßen anderen Racern. Mal stoßen wir versehentlich zusammen, während jeder seinen Geschäften nachgeht, mal fahren wir gegeneinander ein Rennen – das ist ganz nett. Aber wir können nicht miteinander sprechen, wir können kaum etwas miteinander tun. Ich kann jeden in der Stadt zu einem Event einladen, aber am Ende rasen wir dann doch einsam durch fast leere Straßen, während die Neonlichter merkwürdige Muster auf die nassen Farbahnen zeichnen. Manchmal begegnet man auch der Polizei. Mit den Cops habe ich aber nur Mitleid: Ihre Fahrzeuge sind so untermotorisiert und es gibt so wenig Verstärkung, dass man bereits mit leicht getunten Anfängerfahrzeugen jedem Cop einfach davonfährt. Manchmal fahre ich bewusst langsamer, damit sie kurz einen Moment der Hoffnung haben können, dass sie ein einziges Mal in ihrer Karriere nicht gnadenlos abgehängt werden können. Aber am Ende bleiben sie doch traurig im Rückspiegel zurück.

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Retro, #Meta And #Swag

Ich weiß, dass Need for Speed nicht perfekt ist. Hinter der wunderschönen Optik steckt ein Spiel, das an vielen Stellen recht dünn ist. Die offene Stadt ist zwar unglaublich schön und an vielen Stellen nahezu fotorealistisch; dafür ist alles leer und wirkt oft wie eine Kulisse. Und während ich mich über die freie Fahrt freue, wären ein paar Staus doch eine nette Auflockerung. Überhaupt – Auflockerungen bekomme ich in Ventura Bay sehr selten. Ich rase zwar über verregnete Boulevards, Autobahnen, winklige Bergstraßen und kann meinen Traumwagen aus einem stetig erweiterten Car-Pool kaufen, aufmotzen und vor allem an meine fahrerischen Ideavorstellungen anpassen; so wirklich groß ist die Abwechlung aber nicht. Und was Ghost Games geritten hat, dass man nach der brachialen Polizei-KI von Rivals so bemitleidenswerte Vorstadtbullen vorgesetzt bekommt, denen man locker davonfährt, werde ich niemals verstehen. Trotzdem drehe ich gerne meine Runden in Ventura Bay. Weil es eine wunderschöne Welt ist, weil ich hier meine Rennen, mein Tuning und diesen Retro-Proll-Charme bekomme, der mir seit vielen Jahren gefehlt hat. Genug zu tun gibt es so oder so; kostenlose Updates bringen regelmäßig neue Features, Events und Fahrzeuge. Und jetzt muss ich weiter allein durch diese riesige, kleine und wunderschön gammlige Stadt rasen, während mein Handy bimmelt und ich neue Events am Horizont auftauchen sehe. Es ist vielleicht immer Nacht in Ventura Bay und vieles wirkt retro. Abr es ist immer noch meine Stadt, in der ich in meinem ganz eigenen Wagen durch die ewige Nacht rase.

Anmerkung: Wir wollten mit diesem Text einmal das schaffen, was im täglichen Nachrichtengeschäft viel zu selten machbar ist: Einen wirklich guten Text schreiben, dabei mehr tun als nur ein paar Fakten abklappern und uns auf das Spiel einlassen. Und jetzt hoffen wir, dass ihr daran euren Spaß hattet.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it.

#Yolo #Swag #Catz

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