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Mirror’s Edge Catalyst – Review: Über den Dächern laufen

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Als bekannt wurde, dass DICE mit Mirror’s Edge Catalyst einen Nachfolger zum Kulthit von 2008 entwickeln würde, stand neben der Freude vor allem eine Frage im Raum: Warum eigentlich? So wirklich finanziell erfolgreich war Mirror’s Edge nicht – Parcour-Gameplay in „First Person“-Sicht, tolles Gameplay, wunderschöne Grafik und eine ganz coole Welt haben damals angesichts einer sehr kurzen Kampagne und diverser kleiner Macken einfach nicht jeden überzeugen können. Der Nachfolger soll jetzt die Stärken beibehalten und gleichzeitig die alten Fehler ausmerzen. Und so habe wir uns in Gestalt von Faith in die City of Glass gestürzt um herauszufinden, inwieweit das geklappt hat, ob der Reboot den Charme des Vorgängers beibehält und ob DICE eventuell alles maximal massentauglich gestaltet hat.

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Große weite Welt

Um die erste große Neuerung von Mirror’s Edge Catalyst zu erleben, muss man die erste Mission fertig gespielt haben. Denn obwohl die Welt – anders als im streng linearen Vorgänger… – offen ist, geht es in den Hauptmissionen meistens streng linear zur Sache – es gibt nur einen echten gangbaren Weg, der außerdem nicht immer sofort offensichtlich ist. Aber dann ist es soweit: Nachdem wir aus dem Gefängnis entlassen wurden und uns im Rahmen der ersten Mission durch einen Trainingsparcour gekämpft und erste echte Gegner getroffen haben, geht die Sonne auf. Wir stehen auf einem Dach und sehen die Sonnenstrahlen, die die riesige Stadt in helles Licht tauchen. Was wir jetzt machen, ist uns überlassen. Wir können den (abschaltbaren) Markierungen zu ersten Mission folgen oder einfach in eine andere Richtung laufen, Nebenmissionen annehmen oder einfach nur durch da faszinierende Wirrwarr an Dächern, Gängen und Skywalks rennen. Ab jetzt kann man entscheiden, wie man am schnellsten von A nach B kommt. Dazu kommt die tolle Optik – spiegelnde Oberflächen, gigantische Neonreklame und der aus dem Vorgänger bekannte Stil sorgen für eine einzigartig aussehende Welt. Und dann ist da noch das Gameplay…

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Lauf, kleine Faith

Mirror’s Edge ist ein Spiel, das vorrangig darauf basiert, dass wir laufen. Faith beschleunigt automatisch; einen Sprint-Button sucht man wie im Vorgänger vergebens. Ein Button ist dafür verantwortlich um nach unten zu kommen – aka zu sliden und etwa unter Objekten durchzurutschen – und ein zweiter Button ist dafür verantwortlich, damit es nach oben geht und wir über Objekte springen, uns irgendwo hochziehen oder von Pfeiler zu Pfeiler springen. Und das war der Kern des Gameplays: Es geht – ganz wie im echten Parcour eben auch… – darum, möglichst schnell und elegant von A nach B zu kommen. Das hat damals Laune gemacht und das tut es auch heute noch. Man rennt, rutscht, springt, slidet, zieht sich irgendwo hoch, sprintet auf eine Wand zu, rennt an ihr hoch, springt nach hinten weg, zieht sich an einem Vorsprung hoch und steht plötzlich irgendwo weit, weit oben. Solche Erlebnisse haben in Kombination mit der Welt einen ganz eigenen Reiz. Dass sich ein paar Möglichkeiten hinter einem heute irgendwo zu „Open World“-Titeln gehörenden Skilltree versteckt sind, ist zwar etwas schaden; lange dauert das Freischalten aber auch nicht und es gibt beispielsweise mit dem Kletterhaken auch wirklich coole und das Spielerlebnis erweiternde Unlocks.

Mit viel Haargel und etwas Sozialkritik

Überraschung: Catalyst ist ein Reboot für Mirror’s Edge Catalyst. Warum DICE nach nur einem Titel wieder neu anfangen wollte, werden wir nie so ganz verstehen; dafür funktioniert in Catalyst bei der Geschichte aber auch alles. DICE war nie für ausgefeilte Geschichten im Stil eines Bioshock bekannt und hat oftmals liebe Mühe mit Kampagnen gehabt; schlägt sich hier aber gut. Alles ist auf Actionfilm-Niveau: Die Charaktere in ihrer etwas coolen und markanten futuristischen Kleidung, die massiven Gel-Mengen, die sie garanatiert für ihre Frisuren brauchen und die Gegenspieler; dazu der Clash der verschiedenen Weltanschauungen in der prächtigen City of Glass. Auf der einen Seite die Runner, die versuchen, sich gegen Überwachung zu wehren und frei zu leben; auf der anderen Seite mächtige Firmen – das hätte viel Raum für Sozialkritik geboten; DICE geht aber nur begrenzt auf soolche Themen ein und konzentriert sich lieber auf die persönliche Geschichte von Faith. Ein cooler Twist hier, eine gut gemachte Zwischensequenz da, dazu ein Stapel cooler Hauptmissionen – Auszeichnungen gewinnt die Geschichte nicht, dafür passt aber einfach gut und man wird gut unterhalten. Nach etwa 12 Stunden ist dann alles vorbei.

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Voll auf die Fresse

Bei unseren Streifzügen stoßen wir immer wiede auf Gegner. Die gibt es mal in Missionen und mal einfach so – wir können sie angreifen, an ihnen vorbeilaufen und versuchen, einfach zu entkommen. (Gegner rufen übrigens gerne Verstärkung und wir sollten versuchen, uns vor der zu verstecken.) Während die Gegner gerne Schusswaffen nutzen, ist Faith unglaublich pazifistisch eingestellt und rührt keine Waffe an. Angesichts der recht unspaßigen Gefechte des Vorgängers mit aufgehobenen Waffen ist das eine gute Idee; so ganz kaufen wir Faith den Pazifimus nicht ab, wenn sie Gegner mit einer Sprungattacke aus dem 50. Stockwerk tritt. Generell steht auch bei den Fights das Laufen im Mittelpunkt: Wenn wir in Bewegung bleiben und flüssig und schnell rennen, dann bauen wir Fokus auf und können darum nicht getroffen und verletzt werden. Und auch das coole Movement kommt in den Prügeleien mit den leichten und schweren Attacken zum Einsatz: An der Wand hochlaufen und den Feind dann mit einer Sprungattacke ausschalten ist einfach nur cool. Wenn man dann noch die Lebensenergiebalken in den Optionen ausschaltet, rocken die Fights wirklich. Cooler hat bisher kein „First Person“-Spiel Nahkämpfe inszeniert. Hier gilt allerdings auf jeden Fall: Das Kampfsystem ist das, was man draus macht. Wer experimentiert, neue Dinge ausprobiert und die Umgebung mit einbezieht, hat viel Spaß; wer sich stumpf durchprügelt, hat deutlich weniger Freude und dafür diverse Ladezeiten bei Toden.

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Offene und doch leere Welt

Man kann in der City of Glass quasi überall hin. Man kann laufen, rennen, springen, irgendwo hochklettern und dabei tolle Architektur sehen, coole Momente erleben und faszinierende Aha-Erlebnisse haben, wenn man es endlich irgendwohin schafft. Die Welt fasziniert, weil wir so viel mit ihr tun können. Gleichzeitig ist die Welt von Mirror’s Edge Catalyst auch leer und so steril, wie sich die Antagonisten die City of Glas wohl auch wünschen: Wir sind nur auf den Dächern unterwegs; das normale Leben der Menschen sehen wir maximal ganz kurz in den Hauptmissionen. Nebenmissionen holen wir uns bei Menschen ab, die beinahe regungslos immer an der selben Stelle stehen. Und selbst die Nebenmissionen sind unglaublich einfach: Möglichst schnell von A nach B gelangen; vielleicht irgendwo draufklettern – es geht um Tempo und darum auch nur passend um Bestenlisten. Top: Jeder kann eigene Strecken anlegen und mit Freunden und der ganzen Welt teilen. Genug Inhalte und Abwechslung gibt es also; die Welt von Catalyst bleibt trotzdem recht leer. Trotzdem kann man natürlich viel tun und 30 und mehr Stunden in der City of Glass verbringen.

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Mirror’s Edge Catalyst – Fazit: Toll, aber nicht für jeden

Mirror’s Edge Catalyst ist wie auch der erste Teil ein tolles Spiel. Die „FrostBite 3“-Optik und die Welt sind atemberaubend. Das Laufen, Springen und Kämpfen in „First Person“-Sicht sind verdammt cool und durch die offene Welt mit verschiedenen Wegen zu einem Ziel der Hammer. Aber das neue Mirror’s Edge ist wieder kein Spiel für die große Masse. Es gibt keine massenkompatiblen Shootouts, keinen Hype um eine angeblich unglaublich tiefe Geschichte und es gibt auch keine Tonne an Unlocks; Multiplayer und Coop fehlen ebenso. Das ist kein Drama: Der Reboot um die Geschichte von Faith begeistert durch das Gameplay, die Technik und die wunderschöne Welt. Wenn man ein paar Ecken, Kanten und Fehler vergeben kann, den Vorgänger mochte oder ein wirklich anderes Spiel will, dann ist man in der City of Glass genau richtig.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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