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Inhouse – München, Videospiele und Gewalt

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Neun Menschen sind tot, 35 teils schwer verletzt. Der Amoklauf in München von Freitag Abend hat Menschen schockiert und entsetzt, Schlagzeilen gemacht und – wieder einmal – für Sondersendungen, Unverständnis und Ungläubigkeit gesorgt. Nachdem die reflexhafte Vermutung einiger spezieller Parteien (#IchWillKeinePolitischeDiskussion), dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben müsste, als falsch heraus gestellt hatten, wurde nun bekannt, dass es sich um einen achtzehnjährigen Einzeltäter handelte, der die Tat schon mehr als ein Jahr geplant hatte. Das Täterprofil: Einzelgänger, psychische Probleme, Mobbing-Opfer und Videospiele wie Counter Strike. Und spätestens mit der Pressekonferenz von Innenminister Thomas de Maizière ist das Wörtchen Killerspiele – obwohl dort noch nicht einmal verwendet… – wieder mehr oder weniger in alle Munde: Eine stärkere Debatte über „gewaltverherrlichende Spiele“ sei nötig.

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Als Chefredakteur einer der größten Battlefield-Seiten Deutschlands ist das für mich ein unschöner Moment. Plötzlich steht wieder auf das Thema Videospiele im Zusammenhang mit einem Amoklauf im Mittelpunkt; erinnern einige öffentliche Stimmen an die Zeiten bis etwa 2010, als gerade konservative Politiker immer wieder Verbotsforderungen stellten. Seitdem hat sich viel getan: Die USK hat weniger harte Richtlinien umgesetzt, es gab differenziertere Beiträge teils sehr konservativer Medien, in denen die eigene Berichterstattung aus vorherigen Jahren kritisch hinterfragt wurde. Und Videospiele tauchen immer mehr in Mainstream-Medien auf. All das hat sich in etwa sieben Jahren entwickelt und doch wird jetzt teilweise erst einmal wieder das wiederholt, was in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war.

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Es wäre wundervoll, wenn man jetzt die Opfer nicht instrumentalisieren würde. Es ist so wichtig, wenn jeder sich Zeit nehmen würde, bis die Informationen vollkommen sind. Wie kann sich ein 18 Jahre alter Schüler eine Waffe kaufen und dazu noch so viel Munition? Warum tut er das? Was geht in ihm vor? Was für ein Umfeld hatte er, wie hat er gelebt? Wenn man die Tat hinterfragt, dann muss alles hinterfragt werden. Lebensumstände, Depressionen, Familie, Mobbing und ja – auch die Videospiele. Man muss alles hinterfragen und nicht nur einen kleinen Bestandteil, der einem gerade passt.

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Es ist unglaublich einfach, jetzt in eine Wagenburg-Mentalität zu verfallen: Hier die Spieler, die sich von unwissenden und eher älteren Menschen zu Unrecht an den Pranger und unter Generalveredacht gestellt sehen. Auf der anderen Seite Politiker und Kommentatoren, die einfach zu anderen Zeiten aufgewachsen sind und die nicht verstehen können, warum jemand ein Spiel wie Counter Strike spielt. Aber was bringt das? Es ist sinnlos und es ist Bullshit in Reinform. Wir kriegen damit nur den nächsten „Verbietet Brot, weil das alle Amokläufer gegessen haben!“-Vergleich? (Bitte nicht. Tut das nicht. Wir können das nicht mehr lesen.) Und es gibt den nächsten Auftritt von Christian Pfeiffer in einer Talkshow, in der Mister „World of Warcarft ist ein Ego-Shooter“ maximal fundiert erklärt, warum „Killerspiele“ böse und gefährlich sind? (Nervt und wollen – und werden… – wir nicht sehen.) Mehr ändert sich nicht.

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Fakt ist: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass gewalthaltige Videospiele einen Spieler wirklich gewalttätig machen. Jede Studie zu dem Thema besagt mehr oder weniger: Es gibt keinen erkennbaren Zusammenhang. Daran wird keine Talkshow etwas ändern. Und es ist auch kein Geheimnis, dass Videospiele im Mainstream angekommen sind. Es gibt Millionen und Abermillionen Spieler, die allein in Deutschland Titel wie Battlefield, Counter Strike, Battlefield, Titanfall, Dead Space oder GTA spielen. Niemand lässt sich gern als Gefährdung bezeichnen oder sein Hobby als Brutstätte für Amokläufer diskreditieren, nur weil jemand nicht verstehen kann, dass man gerne Spiel XY spielt. Dass die Möglichkeit besteht, dass jetzt eine entsprechende Diskussion losgeht, zeigt leider, dass vieles nicht in Ordnung ist und gerade bei älteren Semestern das Wissen rund um und das Verständnis für entsprechende Spiele leider fehlt.

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Trotzdem hat Thomas de Maizière mit seiner Aussage an und für sich nicht einmal Unrecht: Wir brauchen eine Debatte über gewaltverherrlichende Spiele. Genau so wie bei Filmen hinterfragt wird, ob extreme Gewaltdarstellungen jetzt wirklich nötig waren, kann das auch bei Videospielen nicht schaden. Es kann nicht schaden zu hinterfragen, ob ein Spiel es nicht übertreibt und ob vielleicht Gewalt nur zum Schocken und zum Selbstzweck im Spiel ist. Gleichzeitig kann man auch argumentieren, dass Spiele wie Counter Strike viel mehr Sport als alles andere sind sind und mit Gewaltverherrlichung nicht mehr zu tun haben als die normale Crime-Serie im Anbendprogramm. Also nochmal: Es kann nicht schaden, mit Sachverstand und einem gewissen Abstand darüber zu reden.

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Was aber noch um Welten wichtiger ist: Es muss eine Debatte rund um Depressionen und Mobbing geben. Sicherlich kann jetzt ein beliebiger Gamer behaupten, dass solche Themen in Viedospielen und der Gaming-Community keinen Raum haben – das stimmt aber nicht. Wenn man sich Thematiken wie GamerGate ansieht, bei der Einzelpersonen von Hardcore-Gamern gemobbt wurden, dann sieht man spätestens, was alles auch in der Gaming-Welt schief und falsch läuft. Man muss nur Kommentare auf diversen Websites durchlesen um zu sehen, wie erschreckend manche Dinge geworden sind – Todesdrohungen gegen Entwickler, weil die ihr Spiel zu verschieben sind beispielsweise der pure Horror. Wenn wir es schaffen, darüber wirklich sinnvoll, ehrlich und fachlich korrekt zu reden, dann wäre das schlicht und ergreifend wichtig.

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