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Titanfall 2 – Review: Ein riesiger Fußtritt (mit metallenem Fuß)

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Titanfall 2 ist erschienen und verkauft sich leider nicht ganz so gut wie erhofft. Das finden wir schade, für unseren Testbericht haben wir uns aber nicht nur viel Zeit genommen, sondern auch noch die große Frage gestellt, ob und inwieweit das Spiel vielleicht damit zu tun haben könnte. Auf jeden Fall haben wir uns topmotiviert in den neuen Shooter der „Call of Duty“-Erfinder gestürzt und uns durch Kampagne, Multiplayer und gefühlt hunderttausende Feinde geschossen. Und zwischen Wallruns, Ausflügen in turmhohen Titanen und Boostjumps haben wir uns gefragt, wie gut der neue Serienteil wirklich geworden ist…

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Endlich ein Singleplayer

Im ersten Serienteil fehlte ein richtiger Singleplayer leider noch, nun haben die Erschaffer von Call of Duty endlich nachgelegt: Eine Kampagne erzählt die Geschichte vom – maximal generisch benannten… – Cooper, der zu Beginn nur ein stinknormaler Fußsoldat ist, aber unbedingt Titan-Pilot werden will. Da der uns mögende Captain leider kurz nach Spielstart abnippelt, sitzen wir auf einem feindlichen Planeten fest und sind der neue Pilot des kurz herrenlosen Super-Titan B.T. Das bedeutet nicht nur die Wunschbeförderung in Rekordzeit, sondern auch jede Menge Probleme – auf dem so gewöhnlich wirkenden Planeten kämpfen Miliz (wir und darum lieb) und IMC (der Feind und darum böse) erbittert und nichts ist so, wie es wirkt. Allzu große Story-Kapriolen soll man aber nicht erwarten: Die Charaktere sind ähnlich wie in vielen „Call of Duty“-Titeln so platt, als ob ein Titan sich auf sie gesetzt hätte und die Geschichte wirkt stellenweise wie eine Aneinanderreihung von Begründungen, um die nächste coole Mission starten zu können. Schlecht ist das zwar auch nicht und motiviert werden wir – gegen das Gameplay und die tolle Abwechslung nimmt die Story rund um eine Superwaffe eine untergeordnete Rolle ein.

Man reiche mir Abwechslung!

Überraschenderweise schafft Respawn Entertainment in der Kampagne etwas, was schon längere Zeit gerade bei Call of Duty nicht mehr so richtig funktioniert hat, da sich schnell Ermüdungserscheinungen so breit machen wie ein müder Titan auf einem sehr kleinen (und stabilen) Sofa: Die Abwechslung rockt einfach nur.  Mal pilotiert man B.T, dann kämpft man in halboffenen und recht arena-ähnlichen Umgebungen, dann steht Plattforming auf der Tagesordnung und dann folgt ein Rätselabschnitt. Wallruns, Boostjumps und Co. sind hier nicht nur schmückendes Beiwerk wie in gewissen anderen Spielen (Hi, Call of Duty…), sondern werden immer wieder integraler Bestandteil der Missionen. Das schlägt sich in der Motivation positiv nieder: Man langweilt sich nicht regelmäßig, weil man nur uninspiriert von Bombast-Moment zu Bombast-Moment huscht und auf dem Weg hunderte doofer Feinde abmurkst – man weiß einfach nicht, was einen zwischen der aktuellen Situation und dem nächsten Bombast-Moment erwartet. Natürlich sind die Feinde doof und nur in der Masse gefährlich und selbst die diversen Bosskämpfe sind eher einfach – die Faszination zieht Titanfall 2 aus dem tollen Pacing, der glaubwürdigen Umgebung inklusive gefährlicher Tiere und der Abwechslung beim Gameplay. Der Mix aus Rätsel, Titan-Sektionen, Wallrunning, hektischen Fights, ein paar sehr coolen Ideen (#NoSpoilers) und epischem Bombast mit einer kleinen Portion Ironie – vorrangig aus den Gesprächen zwischen Cooper und B.T. – rockt einfach. Wir hatten in den letzten Jahren in keinem Singleplayer-Shooter so viel durchgängigen Spielspaß wie hier. Schade ist einzig und allein, dass die Kampagne nach fünf bis sechs Stunden wieder vorbei ist und dass erzählerisch viel Luft nach oben ist…

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Murder everyone!

Wer den tollen Singleplayer gezockt hat, ist auf jeden Fall ganz gut für die ersten Schritte im Multiplayer gerüstet – Wallruns, Titanen und Geballer sind hier natürlich verdammt wichtig. Allerdings sind menschliche Spieler deutlich besser als die KI – die Fights sind entsprechend deutlich brutaler, knallhart und dazu spielt sich alles rasend schnell. Respawn Entertainment hat den Kern des bereits im Erstlingswerk tollen Mehrspielers unangetastet gelassen und stattdessen an fast jeder Balanceschraube gedreht, einen Haufen neuer Spielzeuge reingepackt, ein paar neue Titanen auf den Neuerungsstapel gewofen und dann entspannt nachgeschaut, wie gut das Ergebnis ist. Das Ergebnis spielt sich auf jeden Fall großartig: Man rennt blitzschnell an Wänden entlang, slidet um Ecken und versucht immer, alle Feinde zu erledigen. Wenn ein Feind einen sieht, dann ist übrigens sehr schnell jemand sehr tot – die Time to Kill ist niedrig und die Waffen entsprechend tödlich. Wer draufgeht flucht vielleicht, dafür hat man aber schnell die Chance, es besser zu machen. Großer Frust kommt auch dank tumber KI-Truppen in den meisten Modi nicht auf, wo man sich schnell durch KI-Feindgruppen morden kann, was ausgsprochen befriedigend ist. Übrigens immer noch genau so super wie im Vorgänger: Fähigkeiten und Ausrüstung haben Abklingzeiten – Granatenspam gibt es damit beispielsweise nicht.

Abwechslung pur

Die Maps machen außerdem auch deshalb viel Freude, weil sie sich – anders als etwa in Call of Duty: Infinite Warfare – unterschiedlich spielen. Von großen und offenen Maps inklusive offenen Flächen bis hin zu kleinen und verwinkelten Schlachtfelern ist quasi alles dabei. Mal dominieren Höhenunterschiede, dann geht es recht flach zu – wer hier schimpft, muss schon sehr kritisch und abspruchsvoll sein. Dazu wirken die Umgebungen organisch und so, als ob sie wirklich so existieren könnten. Die oft recht großen Level sorgen übrigens auch dafür, dass man (wieder im Gegensatz zu Call of Duty) selten zufällig hinter einem Feind auftaucht – wer hinter uns aufkreuzt, hat meistens nicht Glück gehabt, sondern uns flankiert. In Kombination mit auswählbarer Ausrüstung wie einer temporären Tarnung, einem Greifhaken und Co. sind viele coole Strategien umsetzbar. Und dann kommen noch die Titanen ins Spiel…

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Zwei Teile

Man bekommt einen der Titanen, wenn man ewig wartet oder deutlich flotter, wenn man gut spielt und etwas zum Teamerfolg beiträgt. Sobald man einen der Blechkolosse bekommen kann, dann ruft man ihn traditionell, woraufhin bald ein paar Tonnen Stahl aus dem Weltall herunterkrachen und alles zerlegen, was ihnen im Weg ist. Eine schöne Einstiegsanimation später kann man dann versuchen, Infanteristen zu zerlegen und andere Titanen entweder zu vernichten oder vor ihnen abzuhauen. Im Gegensatz zum ersten Serienteil halten die Blechkameraden allerdings weniger aus, kommen naturgemäß ohne Schild und die sechs Varianten bieten deutlich mehr Unterschiede untereinander als die drei Versionen aus dem Erstlingswerk. Mit dem soben veröffentlichten Update kann man dazu auch noch deutlich mehr anpassen – wer hier nicht den richtigen Titan zu seinem Spielstil findet, dem können wir nicht helfen. Spaß machen die unterschiedlichen Mechs also definitiv; dazu muss man sich taktisch spielen, anstatt einfach reizurennen und alles umzubringen.

Viel Zeug

Wir könnten uns jetzt in Details reinsteigern: Das berüchtigte Beklettern von Feindtitanen ist beispielsweise auch wieder dabei, hat sich aber im Detail verändert – die ersten zwei Male klaut man Baterrien, danach wirft man Granaten und schädigt den Titan. Cool: Wer jetzt mit einer entsprechenden Batterie in den eigenen Titan einsteigt, hat einen Titanschild. Und wer auf einen anderen Titan steigt, spendiert einen Schild – das ist etwas Teamplay, das sehr willkommen ist. Im Vergleich zum ersten Teil sind auch die deutlich aufgebohrten Waffen- und Ausrüstungsmengen sehr willkommen, was neben Abwechslung, spielerischen Möglichkeiten und vielen coolen Spielzeugen auch noch langfristig für Motivation sorgt. Kleine Details wie optisch komplett anpassbare Titanen, Waffen und Soldaten sind da nur der letzte Teil der standardmäßigen Suchtspirale. Auch Features wie ein eigenes Network sorgen dazu, dass man viele Herausforderungen hat und dazu mit den gleichen Leuten zusammen spielen kann, obwohl – mal wieder… – trotz dedizierter Server ein Server-Brwoser fehlt. Zu den immer wiederkehrenden Startsequenzen und dem Ende, wo man ohne Respawn nach der Niederlage fliehen oder als Siger alle Feinde vernichten muss, kann jeder seine Meinung haben.

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Schick und sehr stabil

Technisch präsentiert sich Titanfall 2 so stabil wie ein Titan: Die aufgemotze Source-Egine zaubert glaubwürdige Umgebungen auf den Bildschirm und läuft extrem stabil. Obwohl die Optik nicht an ein Battlefield 1 herankommt, kann man mit einer Ausnahme nicht schimpfen: Die Optik ist immer noch sehr gut, das Spiel läuft ausgesprochen sauber und Sound wie Musik sind großartig. Weniger großartig finden wir den Umstand, wie stabil die schicke Umgebung ist: Den hohen Detailrichtum erkauft sich Titanfall 2 anscheinend dadurch, dass Bäume, Gräser und Co. sich nicht im Wind regen; von Zerstörung kann man dazu auch nur träumen. Das ist angesichts der sonst guten Technik sehr schade – wir würden also nicht schimpfen, wenn Entwickler Respawn Entertainemnt beim nächsten Serienteil die FrostBite-Engine nutzt…

Coolio

Halten wir es kurz: Titanfall 2 macht fast alles besser, was der Vorgänger nicht so gut gemacht hat. Die Kampagne ist wirklich sehr gut, die neuen Spielzeuge im Multiplayer rocken und die Motivation ist deutlich höher. Um wirklich zu schimpfen muss man sehr lange suchen und wird am Ende bei der nicht ganz zeitgemäßen weil superstabilen Umgebung fündig. Aber mal ehrlich: Die Kampagne ist eine tolle Erfahrung, die in manchen Momenten sogar an ein erfolgreiches Zusammentreffen von Half Life und Call of Duty erinnert (und mehr Lob geht nicht!) erinnert. Und der Multiplayer ist über jeden Zweifel erhaben, ohne dass man durch die Neuerungen den rasend schnellen Flow des Vorgängers beeinträchtigt. Wer dieses Jahr Lust auf Wallruns, eine Future-Kampagne und schnelle Action hat, sollte auf jeden Fall zu Titanfall 2 greifen und Call of Duty: Infinite Warfare links liegen lassen. Weil alle DLCs kostenlos sind, kann Titanfall auch in Bezug auf den Support überzeugen…

Disclaimer: Die Testversion haben wir von EA bekommen.

SirUruk
Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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