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Battlefield 1 – Inhouse: Die Community ist besser als Idioten, die wegen weiblicher Soldaten ausrasten

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Vorgestern hat DICE enthüllt, dass Battlefield 1 der Titel ist, der erstmals in der Serienhistorie spielbare weibliche Soldaten mitbringen würde. Was danach folgte, war das, was in solchen Fällen leider immer wieder passiert – ein Teil der Community rottet sich auf Twitter, Facebook, Reddit und auf Gaming-Websites zusammen, um geschlossen auszurasten und sich so daneben zu benehmen, dass man sich als normaler Spieler einfach nur schämen muss. Im ohrenbetäubenden Gebrüll vermengen sich Terme, Phrasen und ein greifbarer – und da weil nicht nachvollziehbarer auch unvorstellbarer – Hass auf die Entscheidung. Aus unserer Sicht gibt es aber zwei ganz wichtige Punkte: Erstens ist das Thema die Aufregung nicht wert und zweitens ist ein großer Teil der Community um so viel besser als der kleine Trupp pöbelnder Ewiggestriger.

Fakten machen Spaß

Fangen wir damit an, was man vielleicht zum Start sagen sollte: DICE erfindet keine Soldaten oder Truppe – der russische weibliche Scout aus dem kommenden „They Shall Not Pass“-DLC hat mit den Soldatinnen des Battalion of Death ein reales Vorbild. Nach der Oktoberrevolution wurden insgesamt mehr als 5.000 Frauen in drei Battalionen organisiert, von dem ein Battalion tatsächlich echte Kampfhandlungen erlebte – frei erfunden ist also nichts. Klar: Man kann jetzt sagen, dass der Großteil der Soldaten in der russischen Armee Männer waren. DICE hat mit Battlefield 1 aber schon immer interessante und einzigartige Charaktere in den Mittelpunkt gestellt. Dazu kommt: Nachdem man seit Battlefield 3 Frauen in den Multiplayer bringen wollte, haben die schwedischen Devs es jetzt über ein halbes Jahrzehnt später geschafft. Und selbst wenn es nicht megarealistisch sein mag – Battlefield 1 ist das ganz sicher auch nicht. Die Reaktionen einiger Spieler auf Youtube, Twitter und Co. sind allerdings jenseits von gut und böse.

What the actual fuck?

Man muss es einfach ganz drastisch sagen: Was ein kleiner Teil der Community seit der Ankündigung an Texten in die Welt gesetzt hat, spottet jeder Beschreibung. Beleidigungen, übelste Beschimpfungen und die Ankündigung, das Spiel nicht mehr zu spielen und zukünftige Titel von DICE boykottieren zu wollen, ergießen sich seitdem über die Devs und durch die Nachrichtenkommentare. Einige Websites haben sicherheitshalber gleich komplett auf die sonst verfügbaren Comments verzichtet; wer moderiert, muss teilweise hunderte Kommentare löschen und entfernen. Und warum? Weil einige Spieler ein Problem damit haben, dass der russische Scout eine Frau ist? (Und wo ist da eigentlich das Problem?) Wenn man bedenkt, dass DICE ursprünglich bereits im Hauptspiel weibliche Soldaten haben wollte und dann aus Angst vor Shitstorms davon Abstand nahm, dann erscheint das Thema fast noch bedenklicher.

We do not give the slightes fuck

Bevor wir uns missverstehen: Es kann uns vollkommen egal sein, dass der russische Scout eine Frau ist. So fucking what? Was ändert sich dadurch? Das Keyart sieht wie ein normaler Soldat aus, DICE wird allein schon aufgrund der Balance an Größe und Hitboxes keine Änderungen zu den bereits verfügbaren Soldaten machen. Am Gameplay wird sich nichts ändern – am Spiel ändert sich also nichts. Man wird weiter mit Pixeln auf andere Pixel einen Haufen Pixel schießen und ein weibliches Voiceover auf Russisch tut auch niemandem weh. Und trotzdem wird geschrien, getobt, werden übelste Beschimpfungen neben Boykottankündigungen und Boykottandrohungen geschrieben. All das entsteht augenscheinlich wegen eines meinetwegen nicht megarealistischen Charakters in einer Erweiterung, der trotz allem ein echtes Vorbild hat. Als normaler Spieler fragt man sich ganz überrascht, was zur Hölle passiert ist und was schief läuft.

Keine Psychologiestunde

An dieser Stelle könnten unvermeidliche Hinweise und Anspielungen kommen, die sich um auf 4Chan koordinierte Trollarmeen konzentrieren. Und wir könnten eine Psychoanalyse der entsprechenden Menschen starten, die wir daraufhin irgendwo zwischen Troll, unsicherem Klischee-Nerd, Frauenfeind und ansonsten sexuell megafrustriertem Loser einordnen würden. Ein paar Zeilen später könnten auch der Aufstieg von President „Batshit Crazy Tiny Hand“ Trump, Alternative Facts und all dem sonstigen Schrott erwähnt werden. Und dann würden wir uns geil finden und warten, bis irgendein trauriger Troll, der sich davon angesprochen fühlt, diesen Text findet und seine Freizeit darauf verwenden würde, uns vielleicht irgendwie zu ärgern. Aber ganz ehrlich: Darauf haben wir keine Lust – uns fehlt die Zeit, die Motivation und wir sind es leid, jeden Bullshit mit ewiglangen Interpretationen wichtiger und bedeutsamer zu machen, als er es jemals sein wird. (Und nein, uns entgeht die Ironie nicht, dass wir bis hierhin schon fünf Absätze getippt haben.) Hate, Sexismus und alles, was dazugehört, ist einfach nur Bullshit.

Wir sind besser als das

Die Battlefield-Community ist meistens großartig – es gibt inspirierende Geschichten, tolle Menschen, Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und Herz. Wenn Fans für ein an Krebs erkranktes Kind sammeln, wenn sich hunderttausende Spieler in einem Livestream versammeln und auf Gameplay oder einen Trailer warten, wenn diskutiert, gespammt und gezockt wird – das ist die Battlefield-Community. Wenn Events organisiert werden, Spieler sich helfen, Fan-Trailer und – Screenshots entstehen, hilfsbereite Zockergruppen einen Neuling unter die Fittiche nehmen oder man sich auf einem Event trifft, dann erlebt man die Battlefield-Community in Aktion. Wir alle sind um so vieles besser als die wenigen traurigen Einzelpersonen, die sich Pseudoargumente ausdenken, warum das Ende von Battlefield 1 wegen eines weiblichen Charaktermodells im Multiplayer bevorsteht oder was dahinter für ein bitterböser Plan steht. Es ist wichtig, dass wir etwas gegen entsprechende Kommentare sagen und dass wir auf diesem Weg zeigen, dass der Großteil der Community ein Haufen toller Menschen ist. Wenn wir alle all dem Hass, der Ablehnung, der Angst und der blanken Dummheit eines winzigen Teils der Spielerschaft entgegentreten, dann zeigen wir damit, dass die große und wahre  Battlefield-Community keinen Anfall bekommt, nur weil man im Sommer als russischer Scharfschütze in Frauengestalt über die Schlachtfelder rennt. Und aus diesem Grund haben wir diesen Text getippt.

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