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Call of Duty: WW2 – Beta-Review: Eine Rückkehr zu alter Größe?

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Erinnert ihr euch noch daran, wann das letzte Call of Duty mit einem Setting erschienen ist, das zumindest ansatzweise nicht futuristisch war? Die Antwort ist 2013 – anno dazumal kam Call of Duty Ghosts heraus und verleidete Fans mit grausam übergroßen Maps, merkwürdiger Balance und dem Designmotto Mehr vom Alten das Thema Modern Warfare endgültig. (Ach ja: Angeblich gab es Zerstörung. Und Fisch-KI.) Seit dieser Zeit hat sich Call of Duty in die Zukunft bewegt – drei lange Jahre voller Jetpacks, Jumppacks, Wallruns und Bacon-Tarnung haben dafür gesorgt, dass sich viele Fans einen Schritt zurück in die heutige Zeit oder vergangenene Konflikte wünschen. Und genau das wird Call of Duty: WW2 endlich bieten: Der von Entwickler Sledgehammer Games entwickelte Titel bringt den zweiten Weltkrieg und damit eine Rückbesinnung auf alte Serienkompetenzen abseits von Wallruns. In der PC-Beta haben wir uns durch die verschiedensten Maps geschossen, die Waffen ausprobiert, einen neuen Modus getestet und herausgefunden, was WW2 besonders gut macht, wie viel Spaß im neuen Call of Duty steckt und wo der Multiplayer trotz guter Ansätze enttäuscht.

Altes Fieber

Wallruns sind out, Boostjumps sucht man vergeblich und Spezialwaffen oder -Fähigkeiten – wie man sie etwa aus Infinite Warfare und Black Ops 3 kennt – sind Geschichte; dafür dominieren Kämpfe mit M1 Garand, STG44 und MP40. Das sorgt erst einmal dafür, dass WW2 sich auf den ersten Blick deutlich oldschooliger spielt: Man muss sich keine Sorgen mehr um Feinde machen, die rutschend oder im Wallrun auf einen zukommen, was de facto zwei weitere Ebenen eliminiert, die in den letzten Titeln die Gefechte immer wieder extrem hektisch und unübersichtlich machten. Und die Gadgets und Ausrüstung sind einfach nur klassisches Standardmaterial, was im ersten Moment ein wohliges Gefühl von Heimkommen schafft – man spawnt, rennt los, duckt sich hinter Deckung, schießt einen unüberlegt losrennenden Feind ab, taucht wieder hinter der Deckung ab und staunt über die Kugeln, die die dünne Mauer durchschlagen. Auf den ersten Blick ist COD: WW2 also so wie früher: Verwinkelte Maps, normale Waffen, keine übermenschlichen Supersoldaten und deutlich weniger Hektik machen die Gefechte angenehm lesbar, was einfach Spaß macht.

Divisionen und weniger Auswahl

Eine der großen Änderungen fällt uns kurz darauf auf: Sledgehammer Games hat das Perk-System stark beschnitten und fünf Divsionen eingeführt. Die Divisionen bestimmen dabei das Aussehen der Soldaten und bringen einen exklusiven Bonus mit – die Airborne-Division bekommt beispielsweise als einzige Division im Spiel die Möglichkeit, einen Schalldämpfer auf Waffen zu packen, während die Expeditionary Forces je Leben vier Schuss Incendiary Ammunition für ihre Schrotflinte bekommen. Jede Division bringt außerdem ein Set eigener Perks mit, die man über Rangaufstiege mit der Division bekommt. Wer Maximalrang 5 mit der jeweiligen Division erreicht, hat damit diverse Perks zur Verfügung, die aber jeder Spieler dieser Division immer hat – Unterschiede in den Perks gibt es nur zwischen den Divisionen. Die Divisionswahl wirkt sich auch auf die optimale Waffenauswahl aus – Schalldämpfer kann man beispielsweise nicht auf Maschinengewehre schrauben, obwohl man die Waffen natürlich divisionsunabhängig beliebig auswählen kann. Das bedeutet schlicht und ergreifend, dass man sich für die Individualisierung auf die Waffen inklusive Upgrades und ein einziges frei wählbares Perk konzentrieren muss. Einerseits fällt damit im Vergleich zu früher viel Freiheit und Herumexperimentieren mit Perks in diversen Versionen flach, auf der anderen Seite können die Devs die Balance so deutlich besser kontrollieren. Ob man ein Fan der Neuerungen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Schnelle Winkelzüge

Ganz klassisch zeigen sich dafür wieder die Schlachtfelder, die größentechnisch angenehm klein und ansonsten teilweise wirklich außergewöhnlich verwinkelt sind. Wie gewohnt haben die Devs keine großen und offenen Flächen geschaffen, sondern sich auf ganz schick aussehende und sich meist wirklich gut spielende kleine Umgebungen konzentriert, die voller Details stecken. Stellenweise haben die Entwickler es aber übertrieben – Aachen ist beispielsweise an manchen Stellen so verwinkelt, dass man gefühlt nur um Ecken hetzt und die Waffenbalance an ihr Limit stößt. Generell merkt man gerade bei den Maps das Alter der Engine und des Konzepts von Call of Duty sehr deutlich: Interaktivität gibt es in den normalen Modi schlicht und ergreifend nicht und auch Zerstörung, dynamisches Wetter oder sonstige Dinge fallen komplett flach. Dafür überzeugen die Spielvarianten zumindest wieder wie gewohnt, ohne große Neuerungen zu bieten – Team Deathmatch, Domination und Hardpoint kennen und lieben Fans seit vielen Jahren. Der neue War-Modus auf Point du Hoc ist dann auch gar nicht so neu, sondern eigentlich nur ein Objective-basierter Modus gegen die Uhr, den die Konkurrenz – Hi, Medal of Honor 2010! – schon vor sieben Jahren hatte. (Und damals konnte man selber einen Bradly Schützenpanzer steuern, anstatt wie in WW2 nur einen Panzer auf Schienen zu begleiten.) Dafür kann man zumindest nette Details wie aufbaubare LMGs und Deckung an fixen Positionen finden und nutzen. Trotz der kleinen Enttäuschung beim einzigen wirklich neuen Modus macht Call of Duty: WW2 in Bezug auf Maps und Modi einen guten Eindruck.

Call of Scharfschütze

Einen etwas weniger guten Eindruck macht die Waffenbalance. Klar: Eine kurze Time to Kill, die durch starken Spread ausbalanciert wird, gehört seit Anbeginn des Jahrzehnts als unverrückbarer und zentraler Bestandteil zu Call of Duty. Die Kombination aus verwinkelten Maps und sehr kurzer Time to Kill sorgt in Call of Duty: WW2 aber immer wieder für Probleme, weil Camper massiv bevorteilt werden. Dass Spieler beim Feuern ohne Schalldämpfer ganz traditionell auf der Minimap markiert werden und dass die Schlachtfelder genug Raum für Flankenmanöver geben, gefällt uns dafür ausgesprochen gut, weil die Gefechte so schön übersichtlich bleiben. Weniger gut kommt die Masse an Scharfschützen an, die sich zumindest auf dem PC dank der präzisen Maussteuerung wirklich überall tummeln: Weil bereits ein Treffer am Oberkörper auf jede Distanz ein Abschuss ist – was in Kombination mit den kurzen Distanzen und der generellen Freundlichkeit gegenüber Campern frustrieren kann – wimmelt es von Scharfschützen, die gerne auch mal in den Nahkampf gehen. Fragwürdig kommt uns auch das Flinching vor – wer getroffen wird, muss mit einer massiv nach oben ausschlagenden Waffe leben und kann sich so auf Distanz kaum verteidigen. Und warum uns Granatenexplosionen zwingend verlangsamen, wie man es bisher nur von normalen Blendgranaten kannte, wollen wir auch noch nicht so ganz nachvollziehen. Nicht falsch verstehen: Call of Duty: WW2 ist ein ordentlich ausbalancierter Shooter – wir hätten uns nur etwas mehr Mut gewünscht. Bei den Scorestreaks (weil wir schon Medal of Honor 2010 erwähnt haben: Yup, die wurden auch vom DICE-Shooter erstmals eingesetzt…) sind wir dafür aber ganz zufrieden: ÜbermächtigeAbschusslieferanten gab es in der Beta nicht und selbst wenn der Artillerieangriff ein ganzes Gebiet temporär abriegeln kann, sind die Belohnungen keine grausame Qual für die Feinde, die im schlimmsten Fall die Map für zwei Minuten in Schutt und Asche legt, sondern nette und sauber balancierte Belohnungen für gute Spieler

Jäger und Sammler

Ganz traditionell wirft Call of Duty: WW2 mit Auszeichnungen um sich und bringt auch die – abschaltbaren… – Killmessages mit X Details zentral oben im Bildschirm zurück. Rangaufstiege, neue Divisionsränge und weitere Auszeichnungen für ungefähr alles – fünf Feinde nahe dem Tod erledigt, 20 Gegner mit Scorestreaks erwischt, 100 Feinde mit Waffe XY erledigt… – prasseln pausenlos auf uns ein. Waffen, Scorestreaks, Perks und Gadgets sind dazu an den Rang gekoppelt, müssen aber über Unlock-Tokens freigeschaltet werden. Und Waffen-Upgrades gibt es natürlich auch. Anders gesagt: Call of Duty: WW2 bietet die gewohnt gute, gewohnt erfolgreiche und gewohnt bekannte Suchtspirale aus Rangaufstiegen, Aufzeichnungen und Unlocks, obwohl wir bisher noch keine Waffentarnungen gesehen haben. Einzig die verschachtelte Menüstruktur löst bei uns keine Begeisterung aus, sondern wirkt nach einem uninspirierten und schlecht gemachten Port.

Alter Mann

Wir notieren uns: Nette Maps, spaßiges Gameplay, tolle Suchtspirale, gewohnt gute Action. Was kann da schief gehen? Die Antwort ist das große Problem von Call of Duty, das die Serie seit Jahren quält: Die veraltete Engine ist die Achillesferse der Serie, weil sie an vielen Stellen einfach optisch und auch rein technisch nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten kann. Während die Texturqualität und generell die Masse an Details auf dem PC trotzdem passabel überzeugen kann, ärgern wir uns über eine Vielzahl an größeren und kleineren Unzulänglichkeiten. Das größte Problem sind dabei die Animationen in Kombination mit der hohen Laufgeschwindigkeit – teilweise scheinen Feinde über den Boden zu schweben, Richtungsänderungen sind nicht vorhersehbar und wir haben regelmäßig Szenen gesehen, die an Teleportation erinnern. Der Charakter und die Waffe fühlen sich dazu – anders als etwa bei Battlefield – nicht schwer an, sondern schweben mehr als dass sie rennen, was der Immersion nicht gut tut. Dedizierte Server und eine Tickrate von 60 Hertz sind zwar eine willkommene Angleichung an Standards; der Netcode wackelt aber stellenweise noch bedenklich, wenn Feinde einen sehen, bevor man sie sehen kann oder wenn der Gegner Kugeln wie ein Oktoberfestbesucher Bier schluckt. Zumindest eine definitiv gute Nachricht für PC-Spieler gibt es: Die Systemanforderungen halten sich in Grenzen und die Framerate ist immer schön stabil. Warum die Maussensitivität anscheinend immer noch an die Framerate gekoppelt ist, wissen wir allerdings auch nicht. Cheater haben wir leider auch schon mehrere gesehen.

Call of Duty: WW2 – Beta-Review: Guter Call of Duty Standard

Die wichtigste Neuigkeit zuerst: Wir haben viel Spaß mit der Beta von Call of Duty: WW2 gehabt – die Optik geht in Ordnung, die Maps und Modi machen Laune, die Motivation ist dank einer perfektionierten Suchtspirale hoch und auch die Balance passt meistens. Wer sich nach einem neuen World at War, Modern Warfare oder sonstigen Titeln sehnt, kann sich WW2 nach unseren Erlebnissen in der Beta auf jeden Fall gefahrlos holen. Wirklich perfekt ist in WW2 gleichzeitig aber nur wenig: Die Maps sind oft zu verwinkelt, die Waffenbalance hat noch diverse Macken, die Technik hakt an manchen Stellen, Cheater dürften auf dem PC wieder ein Problem sein und die Optik ist in Zeiten von Battlefield 1 (oder auch Battlefield 4…) einfach nicht konkurrenzfähig. Manche dieser Dinge werden nicht wenigen Spielern sicher – zu Recht! – egal sein und den Spielspaß nicht negativ beeinflussen; von Perfektion oder einem Wurf wie anno dazumal mit Call of Duty 4: Modern Warfare ist aber auch das neue Call of Duty meilenweit entfernt. Große Neuerungen und echter Mut zum Risiko fehlen im neuen Call of Duty komplett; der neue Modus und die Änderungen an der Perk-Balance und die minimalen Anleihen bei klassenbasierten Titeln ändern kaum etwas am Kern des Spiels, der dafür zumindest gewohnt gut ist. Am Ende ist die große Neuerung von WW2, dass es das ungeliebte Sci-Fi-Setting über Bord wirft und ein traditionelleres Gameplay mit bekannten Waffen und Konflikten kompetent und spaßig umsetzt.

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