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Star Wars Battlefront 2 – Report: Wie fair und balanciert ist das Unlock-System?

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Eigentlich wollten wir heute über die Spieleindrücke von Star Wars Battlefront 2 schreiben. Wir wollten über die prächtige Optik, den bombastischen Sound und das rundum verbesserte Gameplay sprechen – der neue Anlauf von DICE mit der mächtigen „Star Wars“-Lizenz ist zwar kein Komplexitätsmonster oder so anspruchsvoll wie ein Battlefield, aber eben doch ein kompetenter und sehr spaßiger Shooter, in dem oft mehr steckt, als man es denkt. Aber hinter jedem „Wollten“ und jedem Lob für Battlefront 2 steckt leider ein Problem: Mikrotransaktionen und die Angst vor Pay2Win erstickt aktuell viele potentiell interessante Diskussionen und manchmal auch all das, was DICE in mühevoller Kleinarbeit über zwei Jahre gebaut hat. Und so schauen wir uns das Drama mal an…

Das kompliziertes System

Battlefront 2 hat ein recht komplexes Levelsystem. Neben den normalen Leveln gibt es Starcards in vier Qualitätsvarianten, neue Waffen und optisches Zeug. Starcards können nun besondere Ausrüstung bieten – eine Granate oder Minigun beispielsweise… – oder sie bieten passive Fähigkeiten wie schnellere Cooldowns, erhöhte Resistenz gegen Explosionen und sonst etwas. Wer jetzt Lust auf bessere Starcard-Varianten hat, muss die Starcard entweder aus einem Lootcrate ziehen, genügend Schrottteile (gibt es auch in Lootcrates) zum Craften einer neuen Starcard (oder zum Aufwerten einer bestehenden Starcard) haben oder lange genug spielen, um die mächtigste Starcard-Variante für erfolgreiche Challenges zu bekommen. Um die Balance sicherzustellen – und zu garantieren, dass man nicht für viel Echtgeld viele Vorteile erkauft – hat DICE diverse Blocker eingebaut: Wer einen zu niedrigen Rang hat, kann keine mächtigen Starcard-Varianten craften; dazu gibt es neue Waffen und die legendären Starcardvarianten nur für das tatsächliche Spielen und erfolgreich abgeschlossene Assignments. Lootcrates bekommt man dazu für Echtgeld oder für Credits, die man nach Rundenende bekommt. Und wer bestimmte Starcards genug nutzt und dafür genug Aktionen erfolgreich abschließt, bekommt Starcard-spezifische Lootcrates mit Verbesserungen.  Hört sich kompliziert an? Ist es auch.

Die Einfachheit des Seins

Kurz nach Start von Battlefront 2 über EA und Origin Access ist ein Video aufgetaucht, in dem die Behauptung aufgestellt wurde, dass Battlefront 2 den Spielern handfeste Vorteile geben würde, die im Ingame-Store Lootcrates kaufen würden. Die weiter zahlenden Spieler würden problemlos für Echtgeld an mächtige Starcards kommen und das System sei – falls man nicht ein paar Euros hinlegen wolle – auf Grind ausgelegt. Hört sich alles dramatisch an, können wir nach unseren Erfahrungen in der Probierversion aber absolut nicht bestätigen: Battlefront 2 steckt voller kleiner Challenges, für die man andauernd mit Schrottteilen und Credits zugeworfen wird, über die man von Beginn an flott an neue Starcards kommt. Anders gesagt: Wer sich ansatzweise darauf konzentriert, ganz normal zu spielen und die Challenges abschließt, kann sich seinen Wunsch-Starcards locker und flott zusammenbauen und hat zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Pay2Win kann man Battlefront 2 nach den ersten Spielstunden also an sich nicht vorwerfen.

Das Extrembeispiel mit Temporärproblem

Gibt es jetzt also wirklich gar kein Pay2Win? Die Antwort darauf ist ein bisschen schwieriger, weil es unter einer Bedingung zu Problemen kommen kann: Theoretisch gesehen kann ein Spieler zum Start viel Echtgeld investieren, viele Lootcrates kaufen, diese öffnen und darauf vertrauen, vor Erreichen der Levelbegrenzung zufällig höherlevelige Starcards zu bekommen. Damit kann der entsprechende Spieler dann einen temporären Vorteil haben, bis nicht zahlende Spieler etwas weiter gespielt haben und die präferierten Starcards durch normales Spielen bekommen haben. Die zwei Fragen müssen natürlich sein: Wie viele Leute werden trotz der reichhaltigen erspielten Belohnungen und Fortschritte Echtgeld einsetzen, um einen temporären Vorteilz zu haben? Und wie groß ist dieser Vorteil eigentlich? Unseren Erfahrungen nach resultieren die Unterschiede trotz Statistikboni und diverser Anreize nicht in relevanten und die Balance zerstörenden Vorteilen, weil selbst die besten aus Lootcrates stammenden Starcards absolut betrachtet nur leichte Verbesserungen bieten.

Die unschöne Entscheidung

Battlefront 2 ist also – wenn man nicht zum Launch und in der Hoffnung auf ein paar minimale Vorteile für ein paar Stunden hundert oder mehr Euro ausgibt – de facto kein Pay2Win. Das ändert allerdings nichts daran, dass wir trotz allem unzufrieden mit der grundlegenden Designentscheidung dahinter sind: Lootcrates sind nie eine gute Idee – der Zufalls als Faktor bei vielen Unlocks ist einfach idiotisch. Dass es auch nicht so viele Credits je Match gibt und dass man die ganz gerne anstatt für Lootcrates auch für diverse noch nicht freigeschaltete – und aktuell sauteure – Helden aufsparen will, dürfte nicht direkt helfen. Das System ist zwar an sich halbwegs fair und echte Loopholes sind im Moment mit Ausnahme unseres Extrembeispiels nicht in Sicht; die Entscheidung für genau dieses System zeigt aber, dass man bei EA mit nicht geringen Einnahmen rechnet und plant. Daran ist nichts verwerflich: Titel wie FIFA (dank Ultimate Team) oder GTA V (dank Mikrotransaktionen in der Online-Variante) zeigen seit Jahren, wie viele Spieler für minimale kaufbare Vorteile oft große Summen in Titel investieren und Publisher und Entwickler müssen Geld verdienen. Die Art kann man ärgerlich finden, den Weg kann man moralisch verwerflich finden und all das kann man zum Kotzen finden oder direkt bekämpfen – es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass das System sich großartig ändert.

Die Kosten und das kostenlose Zeug

Vielleicht geht in dem Thema auch ein bisschen unter, dass Battlefront 2 keinen Season Pass hat, während die erste Erweiterung – ein neuer Planet, eine neue Map für Starfighter Assault, zwei neue Helden und mehr Singleplayer-Content – im Dezember erscheint. Eine entsprechende Entscheidung ist bei jedem Entwickler und Publisher eine einfache Rechnung: Was bringt mehr und was funktioniert besser? Star Wars Battlefront 2 bringt zahlenden Spielern zwar – gerade langfristig – keine handfesten Vorteile; setzt aber sehr wohl Anreize. Auf der anderen Seite wird es viele kostenlose Erweiterungen geben, die für alle Spieler verfügbar sein werden. Was einem lieber ist kann man sich gerne überlegen – Battlefront 2 geht aktuell einen Weg ohne Season Pass und mit Mikrotransaktionen. Das ist an sich nicht schlimm; ein bisschen Feintuning im Detail sollte aber schnellstmöglich passieren, damit auch die letzten Kritikpunkte und möglichen Probleme aus dem Weg geräumt werden.

Die moralische Bankrotterklärung

Zum Abschluss wollen wir kurz eine Anmerkung in eigener Sache loswerden: Wir empfinden Teile der Berichterstattung aktuell als deutlich zu reisserisch, unreflektiert und auf Clickbait ausgerichtet. Klar – genau so, wie ein Publisher versucht, seinen Gewinn zu maximieren, versuchen auch Websites und Publisher das zu tun. Und wenn die Wörtchen „EA“ und „Play2Win“ nebeneinander in einer Überschrift auftauchen, dann ist das ein Garant für sehr viele Leser, Zuschauer und am Ende Werbeeinnahmen. Und natürlich könnten wir so etwas auch machen. Und dann? Dann wären wir genau so beschissen wie der Rest vom Schützenfest, der genau diesen Mist macht. Und darauf haben wir keine Lust.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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