Menu

Need for Speed: Payback – Review: Zwischen Fast and Furious und Zufall

Anzeige

Manchmal hat man die besten Intentionen, gibt alles und zum Schluss ist das Ergebnis trotzdem nicht so ganz optimal. Diesen Test von Need for Speed: Payback kann man gefahrlos als das beste Beispiel dafür nehmen: Wir wollten ihn ja pünktlich abliefern, dann mussten wir anderweitig zu viel tun, dann kam der Urlaub, dann die Weihnachtszeit und plötzlich steht man im Februar da, hört Karnevalsmusik und muss sich der harten Realität stellen, dass man irgendwie dezent verkackt hat. Warum wir das so schreiben? Weil es auch eine perfekte Analogie auf Need for Speed: Payback ist – beeindruckende Featuremengen, gute Technik und viel Spaß sind allemal da und trotzdem hat man das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre. Und wir verraten euch, ob sich ein Ausflug in die Welt von Payback lohnt…

Wiedergutmachungstournee

Wann immer man etwas in den Sand gesetzt hat, kommt die große Entschuldigungstournee ins Rollen: Beste Intentionen, unvorhergesehene Probleme und die grausame Welt sind am Fail verantwortlich, aber dieses Mal wird alles besser und perfekt. (Genau so wie im Falle dieses Tests. #JustSaying) Ähnlich erging es den Devs von Ghost Games: Das Need for Speed von 2015 brachte zwar Tuning, wunderschöne Optik und oft coole Races mit; enttäuschte aber durch den Wegfall einer Geschichte, deprimierend zahnlose Cops, leere Straßen und eine kleine Karte. Und so liest sich die Feature-Liste von Payback nahezu wie die ultimative Wiedergutmachungsliste: Es gibt eine Geschichte im Stile von Fast and Furious, die Polizei wurde aufgenotzt, die Welt ist die größte in der Seriengeschichte, es gibt noch mehr Tuning, bessere Online-Features, einen Offline-Modus (weil jeder, der 2017 im Internet liest, dass ein Spiel immer online sein muss, im Internet darüber kotzt…) und mehr zu tun. Ganz nebenbei haben die Devs noch Offroad-Rennen, legendäre Supercars und Mehr ins Spiel geworfen und lassen uns drei verschiedene Charaktere steuern.

Zwischen Kasino und Corona

Fangen wir am besten mit der Geschichte an: Stellt euch alles am besten wie Fast and Furious vor, das aber – weil es ja immer noch Need for Speed ist… – beim Gameplay auf das reine Fahren reduziert wird und uns gegen das böse Kartell in die Schlacht schickt, das alles kontrolliert und einfach nur böse ist. Das Ergebnis ist zweifellos deutlich besser als alles, was Need for Speed bisher diesbezüglich geschafft hat: Die peinlichen Z-Stars in Realfilmsequenzen wurden über Bord geworfen und durch bekannte Schauspieler aus Serien und Filmen ersetzt, die es jetzt in guten Ingame-Zwischensequenzen zu sehen gibt. Das tut vor allem den Zwischensequenzen gut, die schick animiert, detailliert und cineastisch ausfallen. Mehr als stumpfe Sprüche, ganz flache Witze und Holzhammermethoden darf man dabei zwar nicht erwarten und auch die Charaktere sind nicht sonderlich ausgefeilt; wer Fast and Furious mag, wird aber sicher gut unterhalten. Es gibt die böse Gang, korrupte Cops, einen halbseidenen Kasinobetreiber, Killer und unsere Truppe aus drei Leuten, die sich nicht direkt lieben, aber sich notfalls in einer Zwischensequenz umstimmen lassen, einander zu helfen. Dazu sind die entsprechenden Hauptmissionen mehr als cool inszeniert – man jagt einen Truck, springt über Autobahnbrücken, wird plötzlich von der Polizei verfolgt oder muss ein paar Enforcer von der Straße rammen. Das mag meist fernab von realistisch sein (der Truck rast etwa einem Mustang fast davon…); man bekommt aber sein cineastisches Badass-Feeling in dicken Dosen. Einziger Wermutstropfen: Die wirklich geilen Sachen macht man nicht selber, sondern sieht sie nur – Ghost Games zeigt uns lieber, wie toll wir über die Rampe springen und den Cops entkommen, als uns selber über die Rampe fahren zu lassen, nachdem wir den Wagen bis zur Rampe gesteuert haben. Trotzdem ist die Geschichte eine große und motivierende Stärke von Payback.

The Grind

Zwischen den Hauptmissionen muss man normale Rennen gegen die KI fahren, um an Geld, neue Vehikel und Ausrüstung zu kommen, den Support lokaler Racing-Crews zu gewinnen und die nächste Hauptmission freizuschalten. Das dürfte jedem bekannt vorkommen, der die Vorgänger gespielt hat; so irrwitzig und abgedreht wie in Payback präsentiert sich aber sonst keine Crew der Welt – das berüchtige Wörtchen cringworthy (das es nicht einmal auf Deutsch gibt…) ist ab und an angebracht, wenn irgendein Racer sich gerade als Abgesandter des Todes vorstellt. (Ernsthaft mal – das wäre selbst im Wrestling zu viel des Guten.) Ansonsten braust man von Rennen zu Rennen, besucht Tuning-Stores und verflucht das Upgrade-System regelmäßig: Anstatt echte Tuningteile zu verbauen, setzt Payback beim Leistungstuning auf zufällig ausgewürfelte Speedcards, die die Leistung unseres Wagens verbessern. Weil man aber nie ganz sicher sein kann, was man als nächstes für den Rennsieg bekommt – und der Tuning-Store sauteuer ist – kann man manchmal etwas knabbern und Zeit einplanen müssen. Echter Grind ist zwar nicht nötig und Frust kommt selten auf; trotzdem würde man lieber eine echte Wahl haben und ganz normale echte Teile kaufen oder gewinnen können. Die Entscheidung, auf ein größtenteils auf Zufall basierendes System zu setzen, ist vor allem schade, weil es die einzige echte Schwäche mit Frustpotential von Need for Speed: Payback ist. Auch die Entscheidung, dass man die verschiedenen Fahrzeugklassen – Drift, Race, Sprint, Offroad und Fluchtfahrzeug – für einzelne Events getrennt aufleveln muss, dürfte nicht jeden begeistern, weil man zwingend fünf verschiedene Vehikel nach und nach hochziehen muss. Auch ungewohnt: Wer sich ein neues Fahrzeug holt, kann nicht einfach optisch drauflostunen, sondern muss erst Challenges erfüllen. 5 Sprünge über 50 Meter, fünf Speedtraps, X gewonnene Rennen und Co. – Ghost Games sorgt dafür, dass man wirklich längere Zeit mit einem Fahrzeug unterwegs ist und es nach und nach wachsen sieht. Das mag zwar manchmal etwas nerven, wenn man die Kohle für die Tuning-Upgrades hätte und trotzdem nur im Standardoptik unterwegs ist; gleichzeitig ist die Motivation so konstant hoch und man ist versucht, sich auch abseits der Rennen etwas auszutoben.

Lass uns fahren!

Während die Progression also stellenweise etwas hakelig sein kann, macht das Fahren enorm viel Spaß: Die Fahrzeuge unterscheiden sich deutlich, das neue Offroad-Racing macht auch Laune und die Gegner-KI zeigt sich kompetent und gefährlich, ohne zu offensichtlich zu schummeln. Speziell mit einem minimal schwächeren Wagen ist man unabhängig vom Event oft mehr am Kämpfen und darf oft frustriert neu starten, wenn man auch nur einen Fehler gemacht hat. Kleinere und größere Rammattacken der Rennteilnehmer muss man allerdings auch mal überstehen – wirklich fair sind die Racer also nicht. Dafür hat Ghost Games auch das Fahrgefühl wirklich gut hinbekommen – je nach Fahrzeug, Untergrund und Tuning merkt man trotz dem ganz klar auf Arcade ausgelegten Fahrmodell die Unterschiede. Das aus dem letzten Need for Speed bekannten Performance-Tuning ist dazu auch wieder mit dabei: Übersetzung, Radstand, Spoiler, Abtrieb und Co. können nun sogar ganz bequem immer und überall angepasst werden und haben entsprechende Auswirkungen auf das Fahrgefühl.

Eine große und schöne Welt

Rein größentechnisch toppt Payback den Vorgänger locker und Abwechslung ist trotz dem Wüsten-Setting meist auch da. Die Größe der Welt, das Mehr an Fahrzeugen, schlauere Cops, ein Tag- und Nachtwechsel und Mehr haben allerdings die Grafik von Need for Speed: Payback etwas eingeschränkt – der Vorgänger von 2015 sieht an manchen Stellen sogar einen Tacken schöner aus. Das bedeutet nicht, dass die Welt oder die Autos oder irgend etwas in Payback nicht gut aussehen: Charaktere, Fahrzeugmodelle und die Welt sehen top aus; eine Verbesserung hätten wir uns aber trotzdem gewünscht. Am Sound kann man dafür ebenso wenig herumkritisieren wie am Soundtrack oder der technischen Stabilität – Payback sieht gut aus, klingt gut und läuft fehlerlos.

Need for Speed: Payback – Fazit: Ein gutes Spiel mit Macken

Need for Speed: Payback hat es einerseits geschafft, den Großteil der Fehler und Probleme von Need for Speed 2015 auszubügeln – die Geschichte, mehr Fahrzeuge, mehr Tuning, mehr Platz, mehr Rennvarianten und Co. sprechen dafür, dass sich die Devs die Kritik am Vorgänger zu Herzen genommen haben und entsprechend nachgebessert haben. Gleichzeitig ist auch Payback nicht perfekt: Technisch ist kein Sprung im Vergleich zum Vorgänger feststellbar und gerade das Leistungstuning mit seinem starken Zufallseinfluss kann einen kurzzeitig zur Verzweiflung treiben und frustrieren. Die an Fast and Furious angelehnte Kampagne, die spaßigen Rennen und das gute Arcade-Fahrmodell in Kombination mit der schicken Technik haben uns allerdings immer wieder motivieren können, ein meinetwegen etwas unspannendes Rennen noch einmal mit einem anderen Setup zu starten. Und so ist Payback am Ende ein guter und spaßiger Racer, der von einigen wenigen Designentscheidungen davon zurückgehalten wird, wirklich bahnbrechend zu sein.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it.

#Yolo #Swag #Catz

TS3 Server