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Ghost Recon Wildlands – Beta-Preview: Der Preis der Freiheit ist zu hoch

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Dieses Wochenende konnten sich Fans von Taktik, Action und militärischem Getue mit etwas Glück in der Beta von Ghost Recon Wildlands austoben. Die Vorzeichen standen ganz gut: Offene Welt, Fahrzeuge, Unlocks ohne Ende, Gunsmith, Taktik, Coop und Action – was soll da schief gehen? Die Antwort hat unser Ausflug ins Hochland von Bolivien bereits gegeben: Da kann verdammt viel schief gehen. In der aktuellen Beta geht sogar so viel schief, dass selbst das böse Drogenkartell nicht genug bewusstseinserweiternde Substanzen im Angebot hat, um unsere Sorgen zu lindern. Aber der Reihe nach…

Ein Soldat für alle Fälle

Das böse Drogenkartell ist Schuld, dass wir uns auf den Weg nach Bolivien machen müssen. Weil die die bolivianische Regierung dazu gebracht haben, dass die Armee den Dealern sogar hilft, wird Bolivien zum neuen Hauptumschlagplatz für Drogen in Südamerika. Und damit haben wir den Salat: Zum Start basteln wir unseren Supersoldaten aus einzelnen Bestandteilen wie im Rollenspiel zusammen – mit Irokesenfrisur, Augenklappe und Tattoos dürften die Feinde schon Angst vor uns haben. Angst bekommen wir dann auch in der ersten Zwischensequenzen, weil die einfach seelenlos wirkt: Unser Handler erklärt uns, was wir zu tun haben, ist natürlich persönlich auch betroffen und schon haben wir die erste Aufgabe bekommen. Ein Drogenkartellunterchef hat Informationen und wir dürfen, sollen und müssen uns den Typen schnappen. Damit stehen wir in der bolivianischen Einöde und dürfen uns mit unseren drei Mitstreitern auf den Weg machen. Dieses Konzept wiederholt sich regelmäßig – Hauptmission erledigen, Zwischensequenz anschauen und dann zur nächsten Aufgabe fahren. Das ist nicht unbedingt schlecht, so richtig haut uns der trotz Schnellreisefunktion teilweise auftretende Leerlauf in den Vehikeln nicht um.

Auf taktischer Suche nach Taktik

Ghost Recon stand einmal für Taktik. Davon merken wir in Wildlands meistens allerdings recht wenig: Obwohl es ein „Third Person“-Shooter ist, gehen wir nicht hinter Objekten in Deckung, obwohl unser Irokesensoldat sich manchmal an die Mauer schmiegt. Über die können wir aber anders als in Gears of War, Mass Effect, Metal Gear Solid, Splinter Cell und ungefähr jedem anderen „Third Person“-Shooter dieser Welt nicht feuern – autsch. Dabei gibt es taktische Elemente: Feinde können per Fernrohr, Drohne oder ganz einfachem Anschauen markiert werden. Wir können unseren Mitstreitern – wenn wir nicht im Coop unterwegs sind – auch Befehle geben. Auch der „Synched Shot“ aus dem Vorgänger ist wieder dabei – markieren wir mehrere Feinde, können wir die gemeinsam mit unserem Team quasi instant ausschalten. Doof nur: Unsere KI-Mitstreiter bleiben gerne sonstwo hängen, Detailbefehle sind nicht drin, die möglichen Mini-Befehle wie „Feuer frei“ oder „Position halten“ sind hakelig. Auch nicht so wirklich klasse: Die Gegner lassen sich auch locker im offenen Kampf ausschalten, womit Stealth nicht so wichtig ist. Wer die Schwierigkeit hochdreht, dürfte es natürlich lieber leise angehen lassen; echte Herausforderungen oder taktische Notwendigkeiten gibt es aber zumindest auf normalen Schwierigkeitsgraden zu Beginn aber nicht. Serienuntypisch halten wir sogar recht viele Treffer aus und müssen uns dann nur kurz in Deckung heilen.

Wirklich groß

Wenn wir nicht gerade einen Stützpunkt zusammenschießen und dabei jemanden ausschalten oder etwas kaputtmachen, brausen wir von A nach B durch die wirklich große Welt. Ubisoft wird nicht müde zu betonen, dass das die größte offene Spielwelt in all ihrern Spielen ist und wir glauben den Devs aufs Wort: Obwohl nur eine Region von insgesamt 26 in der Beta verfügbar ist, ist man lange unterwegs. Und die Welt sieht dabei trotz einiger Texturschwächen und aufploppender Elemente meist richtig schick aus: Bäume wiegen sich im Wind, Gras wird vom durch Helikoperrotoren erzeugten Wind realistisch nach unten und zur Seite gedrückt, Gebäude und Umgebungen überzeugen mit Details, man kann sogar Wildtiere sehen und die Soldaten sind fein animiniert. Leider macht ein anderes Thema Probleme: Wir staunen über eine Fahrphysik, die weit von fertig entfernt zu sein scheint. Ja, die Welt ist groß und ja, es ist verdammt cool, dass jedes Vehikel wirklich gefahren werden kann – wer schon immer mal eine Attacke von Bord eines schweren Baggers starten wollte, wird sehr glücklich werden. Aber speziell normale Zivilfahrzeuge beschleunigen zu schnell und hüpfen auch noch wie Gummibälle über Bodenwellen, während sie von kleinen Felsen gestoppt werden und sich mal zu direkt und mal zu schwammig steuern. Und die Helikoptersteuerung beerdigen wir mit unseren drei letzten Helikoptern lieber gleich ganz.

Far Cry schickt Grüße

Den Rest von Wildlands kann man schnell beschreiben: Es ist wie Far Cry. Wir sammeln Ressourcen und Waffenkisten, mit denen wir dann neue Skills freischalten oder neue Waffen bekommen. Cool: Die Waffen können angepasst werden – der Gun Smith erinnert uns an Medal of Honor: Warighter, obwohl nicht ganz so viele Varianten einzelner Waffenteile verfügbar sind. Neue Skills lassen uns neue Ausrüstung nutzen, aus Helikoptern springen oder unsere Drohne länger in der Luft lassen. Das ist zwar ganz cool, aber wirkt etwas unrealistisch – warum erfahrene Special Forces Soldaten erst nach einem Skill-Upgrade genauer schießen, erschließt sich uns nicht so ganz. Die Menge an Skills ist dafür limitiert – wir haben etwa 25 gesehen. Auch sonst erinnert vieles an Far Cry: Man kann Nebenmissionen machen, bei denen man kleine Stützpunkte ausräuchert, Gefangene befreit oder Konvoys aufhält. Das klingt zwar nicht wirklich spannend, motiviert aber mit coolen Möglichkeiten: Aus dem Helikopter springen und schleichen? Mit einem Panzer reinrasen und alles umschießen? Einfach machen und schauen, was passiert? Wildlands kann immer wieder überraschen und bietet teilweise verdammt epische Momente.

Der Preis der Freiheit

Wir wollen, dass Ghost Recon Wildlands toll wird. Aktuell sehen wir aber noch viele Probleme: Die Fahr- und Flugphysik ist bestenfalls fragwürdig und schlimmstenfalls komplett daneben, das Schießen ist grade in Kombination mit Deckung teilweise etwas hakelig, das Deckungsverhalten macht uns echte Sorgen und die offene Welt bedeutet auch, dass das Spiel fehlende Taktik weniger grausam bestraft und wildes Ballern oft als Lösung reicht. Trotzdem hat Wildlands unbestritten seine Momente: Wenn man aus einem Helikopter springt, an den vorher geplanten Punkten landet und ein Lager in der Nacht infiltriert, dann ist das verdammt cool. Allein kurz die Umgebung auf sich wirken zu lassen ist geil – Ubisoft hat eine auf den ersten Blick sehr realistisch aussehende Welt erschaffen. Leider ist die Welt oft auch leer und man fährt einfach an mit Statististen notdürftig befüllten Dörfer vorbei, in denen man nichts zu tun hat, außer ein paar Ressourcen aufzusammeln. Und während man sich manchmal wie der ultimative Supersoldat fühlt und das Potential von Wildlands genießt, liegt das oft daran, dass man es sich selber vorgenommen hat, mal nicht einfach loszulaufen und um sich zu ballern, sondern sich abzusprechen und es sich schwerer zu machen. Viele der Probleme zeigen direkt auf das Kernelement von Ghost Recon Wildlands: Die große offene Welt mit all den Herausforderungen für die Entwickler und der Coop sind für nicht wenige der Probleme verantwortlich. Wie lange das neue Ghost Recon überzeugen und motivieren kann, wird – wenn die Geschichte nicht plötzlich total abgeht – durch die kommenden Herausforderungen, die Abwechslung und Unlocks bestimmt werden. Angesichts von weniger als zwei Monaten bis zum Release sind wir aktuell skeptisch, ob wir wirklich mehr als eine große Schießbude bekommen. Trotzdem drücken wir auf jeden Fall die Daumen…

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