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Battlefield 1 – Report: Ist das Gunplay und das neue Battlefield wie Star Wars Battlefront?

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Vom Moment der Ankündigung von Battlefield 1 an gab es Stimmen, die die Sorge äußerten, dass DICE den neuen Serientitel sehr stark an Star Wars Battlefront anlehnen würden. Spätestens zur Alpha und Beta folgten dann auf die besorgten Stimmen diverse Leute, die die Behauptung aufstellten, dass das Gunplay mehr mit Battlefront als den vorherigen Battlefield-Titeln zu tun habe. Diese Stimmen sind seitdem nicht verstummt, weshalb wir im zweiten Hintergrund-Report einen ganz genauen Blick darauf werfen. Eins vorweg: Ganz Unrecht haben die Spieler damit nicht. Die Realität sieht aber oft anders aus, als gerne behauptet wird…

Die Fakten

  • Weiterentwickelte Engine: Battlefield 1 beruht auf einer weiterentwickelten Version der FrostBite-Engine, die bereits in Battlefront zum Einsatz kam. Beide Titel setzen sehr stark auf Photogrammetry, was fotorealistische Umgebungen ermöglicht. Im Gegensatz zum „Star Wars“-Shooter bietet Battlefield 1 aber massive Zerstörung.
  • Third Person versus First Person: Star Wars Battlefront bietet neben der „First Person“- auch eine „Third Person“-Sicht, zu der man einfach umschalten kann. Aus diesem Grund muss man mit den Waffen auch nicht zoomen, sondern genießt unabhängig von Bewegung, Laufgeschwindigkeit und Co. die selbe Genauigkeit. Das funktioniert in Battlefield 1 nicht, obwohl es spezifische Ausnahmen bei einigen Waffen (Schrotflinten und SMGs) gibt.
  • Klassen und Starcards: Während Battlefield 1 die gewohnten Klassen inklusive auswählbarer Gadgets und Teamplay-Features nutzt, hat man in Battlefront ein Deck aus drei Starcards, die nach kurzer Cooldown-Zeit wieder zur Verfügung stehen. Teamplay-Optionen gibt es allerdings quasi nicht.
  • Fahrzeuge: In Star Wars Battlefront gibt es keine normal auf den Maps stehenden Fahrzeuge – man hebt stattdessen Pickups auf, und ruft damit ein Vehikel, das man kontrolliert. Neben einem Walker und einigen Fliegern gibt es aber keine Fahrzeuge. In Battlefield 1 gibt es nun die Wahl, eine Panzer- oder Flugzeug-Variante vor dem Start auszuwählen, die dazu in diversen Variationen vorliegen. Dazu stehen massenhaft Transportfahrzeuge auf den Maps herum.
  • Pickups: In beiden Titeln gibt es Pickups. Während man in Battlefront extrem mächtige Helden steuert, die Spezialwaffen nutzen, sich durch Kills teilweise heilen und Kugeln zum Frühstück fressen, gibt es in Battlefield 1 etwas stärkere Spezielsoldaten, die aber bereits durch eine Bajonett-Attacke ausgeschaltet sind.

 

Feeling und Co.

Ganz offen gestanden: Die Behauptung, dass Battlefield 1 größere Ähnlichkeiten mit Star Wars Battlefront haben soll, wirkt auf den ersten Blick ziemlich absurd. Hier der Erste Weltkrieg mit Fahrzeugen, Klassen und sonst etwas; da ein „Third Person“-Shooter ohne den Zwang zum Aim Down Sights in der „Star Wars“-Welt. Die Gemeinsamkeiten sind entsprechend gering, obwohl man natürlich auf einzelne Laufanimationen verweisen oder sagen kann, dass Kill-Messages ähnlich aussehen. Das sind allerdings Details, die mit dem tatsächlichen Spielerlebnis sehr wenig zu tun haben – wo wir schon über das HUD reden: die Mini-Map, die als einziges das Gameplay wirklich beeinflusst, ist in beiden Spielen komplett verschieden… – und eher etwas mit Bequemlichkeit der Entwickler oder der realen Welt und der Art und Weise, wie die Menschheit nun einmal läuft, zu tun hat. So ganz ist das Thema dann aber noch nicht durch: Vertreter dieser Ansicht nennen unisono das Gunplay als die große Gemeinsamkeit und verweisen auf das Feeling der Waffen.

Das Gunplay und die Gründe

Tatsächlich gibt es in Battlefield 1 gleich zwei Waffengruppen, mit denen man auf kurze Distanzen nicht zoomen muss: Der Assault mit seinen SMGs und Schrotflinten hat echte Hipfire-Monster wie die Automatico im Gepäck. Die Unterschiede zwischen den Titeln werden (abseits des Umstandes, dass in Battlefront nicht nachgeladen wird…) auf größere Distanzen sichtbar: In Battlefront ballert man fröhlich weiter und trifft, in Battlefield 1 schlägt der Spread gnadenlos zu und man trifft ab 20 Metern nichts mehr. Im Nahbereich sind die Waffen aber auch ohne Zielfernrohr- oder Ironsight-Einsatz tödlich und ausreichend genau. Aber ist damit jetzt der Vergleich mit Star Wars Battlefront gerechtfertigt? Bevor man das entscheidet, sollte man sich die Hintergründe anschauen: DICE wollte nach vielen Allrounder-Waffen in Battlefield 3 und Battlefield 4 die einzelnen Waffen und Waffenklassen stärker voneinander abgrenzen und hat entsprechende Besonderheiten eingebaut. LMGs werden bei Dauerfeuer genauer, SMGs sind Hipfire-Monster, Scharfschützen müssen für maximale Effektivität dank dem Sweetspot näher an ihre Ziele heran und so weiter und so fort. Man muss mit diesen Entscheidungen nicht übereinstimmen; sie haben aber nichts mit der Einfachheit von Battlefront zu tun tun.

Und der Horror des Gaskrieges

Trotzdem kann man nicht abstreiten, dass auch andere Waffen in Battlefield 1 aus der Hüfte etwas genauer sind als früher – wer hockt und die Waffe nicht horizontal neu ausrichtet, kann hier auch abseits von SMGs ganz erfolgreich sein. (Was nicht heißt, dass Hipfire in älteren Serienteilen keine unmögliche Taktik war – LMGs, SMGs und Schrotflinten waren auch in den letzten Titeln im Nahkampf ohne Zooming erfolgreich einzusetzen.) Der Grund dafür ist allerdings ein anderer als man vermuten könnte: Unserer Ansicht nach sind die Gasgranaten Schuld. Warum? Weil man im Umkreis einer Gasgranate zwingend eine Gasmaske aufsetzen muss, wenn man nicht innerhalb kurzer Zeit tot umfallen will, und damit dann Iron Sights und Zielfernrohre nicht mehr benutzen kann. Wenn man jetzt auf fünf Meter nichts mehr treffen würde, wären Gasgranaten unglaublich stark  – kurz den Kumpel eine eine Gasgranate werfen lassen und dann losrennen, um hilflose Feinde abzuschlachten hört sich erschreckend unbalanciert an. (Nein, wir sind keine Fans der Gasgranaten an sich.) Dafür die Battlefront-Keule auszupacken wäre aber etwas übertrieben.

Etwas einfacheres Gunplay

Fassen wir zusammen: Nein, man kann das Gunplay von Battlefield 1 nicht mit dem von Star Wars Battlefront vergleichen, weil andauernd etwas dazwischenkommt. Iron Sights und Zielfernrohr sind ab einer Distanz von maximal 20 Metern selbst bei SMGs nötig, und die sind im Nahkampf auch nur deshalb so gut, weil das ihre gewollte Rolle ist. Das heißt aber nicht, dass man diverse Änderungen nicht kritisieren kann oder nicht das Gefühl haben kann, dass das Gunplay in bestimmten Bereichen etwas vereinfacht worden ist. Der Rückstoß ist tendenziell etwas geringer als noch in Battlefield 4; zum Ausgleich verstärkt kommende Feinheiten wie Spread Increase (Kugeln sind bei Dauerfeuer ungenauer) und der Fokus auf verschieden lange Bursts fällt stellenweise auch flach, weil beispielsweise LMGs genau diese Mechanik nicht nutzen und bei Dauerfeuer genauer werden. Auch Scharfschützen haben es etwas leichter, weil Kugeln nun schneller fliegen und man dank maximal 4X-Scopes nur sehr geringen Bulletdrop sieht. DICE hat mit den Änderungen zwar dafür gesorgt, dass Waffen klarer voneinander abgegrenzte Nischen haben und dass liebgewonnene alte Taktiken nicht unbedingt klappen, man hat aber auch diverse Spieler vor den Kopf gestoßen, was stellenweise einen falschen Eindruck erweckt. Und so ganz optimal ist die Balance auch nicht immer.

Gefühle versus Fakten

Auf der einen Seite haben wir also einen Stapel Fakten und Leute, die klar sagen: Nein, da ist nichts oder kaum etwas dran. Auf der anderen Seite gibt es langjährige Fans, die sauer und enttäuscht sind und Dinge erleben, die sie genau an Battlefront denken lassen. Das macht die Sache aus gleich mehreren Gründen schwierig – man kann ja kaum jemandem sagen, dass sein subjektives Empfinden komplett falsch ist. Dummerweise kann man nicht erst eine Runde Battlefront spielen, dann eine Runde in Battlefield 1 drehen und danach die Behauptung, dass das quasi identische Spiele sind und dass man beim Gunplay keine Unterschiede bemerken könne, unwidersprochen im Raum stehen lassen. Bereits ein kurzer Blick auf Gameplay-Videos zeigt eindeutig, wie unterschiedlich beide Titel sind. Gleichzeitig haben die Spieler aber nicht ganz Unrecht: Manche Dinge ähneln sich in bestimmten Situationen. Hier ist aber nicht die befürchtete Casualisierung zu finden, sondern bewusste Design-Entscheidungen, die ganz andere Hintergründe haben. Es gibt so oder so spannende und viel wichtigere Fragen zum Gunplay und der Balance: Hat DICE mit dem – eigentlich zum Serienkern gehörenden – Abgrenzen der Waffeneinsatzgebiete und -Möglichkeiten übertrieben? Wäre generell mehr Rückstoß nötig? Ist die Automatico aus der Hüfte doch zu stark und nervig, weil man andauernd jemandem im Nahkampf begegnet? Müssen Sniper neu balanciert werden? Diese Fragen wären viel wichtiger, interessanter und relevanter für das Feedback als die angeblichen Gemeinsamkeiten – Antworten auf die Fragen und bereits eine einfache Diskussion könnten das Spielerlebnis in Battlefield 1 deutlich verbessern. Die angebliche große Gemeinsamkeit von Battlefield 1 und Battlefront speziell beim Gunplay ist aber trotz diverser kleiner Details nicht mehr als eine Legende.

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