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Inhouse – Well, we’re fucked: Medien, Entwickler und Community verkacken es

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Normalerweise steht bei uns aktuell Battlefield 1 im Mittelpunkt. Wir berichten sachlich, neutral, objektiv, umfassend und alles ist gut. Aber wehe, man wirft einen Blick in andere Bereiche des Internets und der Gaming-Welt. Wehe, man traut sich in offizielle Foren. Und man soll besser gar nicht versuchen, Pressemitteilungen von Publishern zu lesen. Anders gesagt: Die Situation da draussen ist ziemlich beschissen. Und wir haben heute nach Jahren des Schweigens und des Verfalls aller Standards wirklich Lust darauf, einfach mal so richtig abzuhaten und den ganzen selbsternannten Profispielern, den sich endlos selbst beweihräuchernden Entwicklern und der vor zur Schau gestellten Spielernähe und kritischer Betrachtung onanierender Spielepresse mitzuteilen, was wir von all dem Scheiss halten: Wir finden es zum Kotzen, wie ihr alles, was ein so geiles Hobby sein könnte, in dem Dreck zieht und pervertiert. Und wir haben keine Lust mehr auf euch. Darum gibt es genau hier die Übersicht, was passiert, wie es funktioniert und warum das so mies ist. Make gaming great again und heult nicht, falls wir zwei böse Wörter verwenden – ein Mal in X Jahren dürfen wir das auch.

Die Medien – Zwischen Hype und Hate

Medien haben es eigentlich ganz einfach: Über alles ausgewogen berichten und dafür sorgen, dass der geneigte Leser oder Zuschauer gut infomiert ist. Leider ist das nicht so einfach – Vorwürfe, gekauft zu sein, eine Plattform zu bevorzugen und ein Spiel einfach zu hassen tauchen andauernd auf. (Siehe Community.) Am Ende bleibt aber von der Berichterstattung sowieso viel zu wenig Eigenständiges übrig. Denn nicht jeder ist so gut, objektiv, sachlich, ehrlich und fair wie wir – stattdessen wird gerne auf einige Standardbausteine vertraut.

  • Strategie #1 – Das wird super! Ein neues Spiel wird angekündigt? Das Ding wird toll. Warum? Weiß man nicht, weil man kaum etwas gesehen hat. Aber es wird klasse! Bedingungslos wird jedes noch so kleine Fitzelchen gelobt, alles ist top und oft findet man statt eines die Dinge ansatzweise einordnenden und vergleichenden Textes gleich die halbe Pressemitteilung vor. Super.
  • Strategie #2 – Das wird scheisse! Ein neues Spiel wird angekündigt? Das Ding wird scheisse. Das ganze Spiel steht einfach unter keinem guten Stern und muss sich beweisen. Warum? Weiß man nicht. Aber vielleicht war der Vorgänger oder der Vorvorgänger oder der Vorvorvorgänger nicht so gut oder buggy. Oder die Redaktion hat entschieden, dass es nur Platz für einen linearen Militärsingleplayershooter gibt, und leider ist kein Platz mehr für einen zweiten Titel. Passt also verdammt nochmal gut auf, denn ab sofort wird das in jedem Text erwähnt.

 

  • Strategie #3 – Da! Etwas Schlimmes! Holt die Mistgabeln raus! Manchmal gibt es etwas, das nicht gut ist. Das ist für die Medien natürlich sehr gut, denn es gibt keine besseren Nachrichten als schlechte Nachrichten. Ein Spiel hypen oder etwas haten geht immer, den Finger in die eitrige Mikrotransaktionenwunde, den geplatzen Bug-Eiterbeutel oder das abgefaulte Versprechensbein zu legen ist aber einfach nur endgeil. Denn jeder hasst all diese Dinge zu Recht und man kann jetzt so wunderschön präsentieren, wie sehr man für die Spieler kämpft. Und wenn es eigentlich total egal sein könnte, weil es nicht so schlimm ist? Dann schreibt man den Text mit Aufruf zum Fackelmarsch trotzdem, weil die Clicks und Werbeeinnahmen am Ende vom Tag doch stimmen müssen.
  • Strategie #4 – XY war besser! Irgendwas war früher besser. Der Vorgänger oder die eigene Fruchtbarkeit oder irgendwas. Lasset uns also verbitterte alte Säcke hervorholen und mit ihnen feiern, wie geil die Pixelwelt früher doch war, als man noch ein echter Hardcore-Gamer sein musste, um ein Spiel zu beenden. Alternativ macht man sinnbefreite pseudoseriöse Vergleiche zwischen zwei möglichst großen Spieleserien und freut sich, wenn sich die Fans an die Gurgel gehen. Denn das war doch besser!
  • Strategie #5 – Immer Recht haben! Logischerweise hat man immer Recht. Diese Regel gilt immer. Konstruktive Vorschläge? Kann man machen, sind aber nur nötig, wenn man sie macht. Alternativ benötigt man solche langweiligen Dinge nicht. Wichtig ist, dass man Recht hat. Und das hat man immer.

 

Die Entwickler – Hype und erneuter Hype

Entwickler meinen es oft gut. Sie sind auch oft ehrlich. Und dann geht alles schief und sie müssen der Welt sagen, dass Call of Duty: Infinite Warfare ein echtes „Boots on the Ground“-Call of Duty wird. Oder sie interpretieren die Wahrheit aus freien Stücken so weit, während sie im Hyperbelozean tauchen gehen.

  • Strategie #1 – Es wird genial! Alles wird toll? Bitch please – das geht so: Breathtaking, groundbreaking, amazing, mesmerizing, huge, massive, holy fucking shit. Da kann man schon mal begeistert sein! Jedes noch so kleine Feature ist einfach der Hammer. Und wenn alles nur Schema F in etwas hübscher ist? Dann schau dir die verdammte Grafik an! Breathtaking! Breathtaking immersion! Fuck yeah!
  • Strategie #2 – Bestestest Dings ever! Es reicht nicht, mehr positiv besetzte Wörter in die Welt abzufeuern als ein Motivationscoach auf Steroiden. Alles muss besser sein. Größer, schöner, krasser. Und wenn die Welt größer als jemals zuvor, aber so leer wie die Seele eines Menschen ist, der gerade dieses Spiel als den ultimativen Überlebenskampf in der größten und authentischsten Spielwelt aller Zeiten bezichnet hat, bevor er heimfährt und sich weinend und mit einer Flasche Wein auf dem nackten, harten Boden der Wohnung und Tatsachen zusammenkauert? Dann ist es immer noch die fucking größte Welt ever!

 

  • Strategie # 3 – Schweigen ist Platin! Gut, das hat jetzt nicht so geklappt. Das Spiel ist buggy. Die Presse sabbert vor Freude und hetzt. Und die Community ruft zum heiligen Krieg auf. Was tut man da? Genau – Fresse halten, im Bunker verstecken und mit dem Geld die Bong anzünden. Läuft doch. Und der Sturm des Hasses – so awesome! Biggest one ever! Mesmerizing! –  wird sowieso abklingen. Denn die nächste Sau steht schon bereit, um durch das Mediendorf getrieben zu werden. Etwa Geduld noch. #Soon™
  • Strategie #4 – Euer Geld ist unser Ziel! Habt ihr schon gehört? Es gibt neues Zeug! Voll das gute neue Zeug! Ihr könnt alles haben und etwas Kohle sparen oder mehr Geld ausgeben und alles einzeln nacheinander kaufen. Los, macht schon! Her mit der Kohle!
  • Strategie #5 – Dieses Mal wird es aber sicher geil! Alles wird besser werden. Alles! Man hat aus den Fehlern gelernt! Die Grafik ist doch so geil wie noch nie zuvor, die Bugs werden sich nicht wiederholen und man hat auch die Welt gefüllt! Außerdem weiß man, was die Leute wollen und jeder kann sehen, was da los ist. Gut, es ist auch OK, das in jedem Text die Probleme des letzten Titels genannt werden. Man hat das erkannt was schief lief und wird es besser machen. Und es wird awesome.

 

Die Community – Verschwörung zur Rettung des Gamings

Gaming ist ein so geiles Hobby. Fremde Welten, Wettkämpfe, Diskussionen, Spaß. Aber mal ernsthaft: Wer braucht sowas, wenn man den puren Hass zelebrieren kann? Warum zugeben, einen Fehler zu machen, wenn man der verdammte Held sein kann, der die Verschwörung aufgedeckt hat? Und die stimmen mir auch noch zu – wie kann man da sagen, dass ich Unrecht habe? Also bitte…

  • Strategie #1 – Revolution! Etwas passt nicht? Der Test zu positiv oder negativ, das Spiel zu anders als gewollt, die Änderung zu ungewollt? Logo: Es ist an der Zeit für eine Revolution! Holt die Mistgabeln und wir stürzen das System, während wir parallel auf 4Chan Enthauptungen bewundern. Alles ganz easy Kameraden. Läuft auch. Wenn wir nur oft genug wiederholen, was total offensichtlich ist, dann läuft das. Geduld.
  • Strategie #2 – Der Verschwörung auf der Spur! Wir wissen schon wie das läuft, Freunde der Sonne. Ihr müsst gar nicht so tun als ob nichts wäre. Da behauptet ihr Spackos jetzt, dass das ein Versehen ist oder dass der Test objektiv ist oder dass man damit Spaß haben kann. Stimmt alles nicht! Und wir beweisen euch auch, warum das so ist. Dazu verbinden wir hier vor euren Augen zwei total nicht zusammengehörige Dinge, vergleichen Äpfel mit Pferdeäpfeln und schon haben wir die größte Verschwörung der letzten acht Minuten enttarnt. Das wird also nichts mit eurem Plan, das Spiel zu zerstören, alle zu hypen, Meinungen zu unterdrücken oder einfach nur Nazis auf Dinosauriern an die Macht zu bringen. Ha!

 

  • Strategie #3 – Reschtschreibung ist vohl überbewertet!!!11! Hör ma zu Digga: niemand braucht die Kake. Keine Bicth praucht das. Rechtschreibung? Umgangsformen? Was soll das, du Larry? Scheiss Nerd. Scejhiss Hipster. Fick dich du Spahsti. DEIME STATS SINS SCHEISSE!
  • Strategie #4 – Geld braucht doch niemand! Die wollen jetzt echt Geld für einen DLC? DIE SCHEISSE GAB ES FRÜHER KOSTENLOS! DIE ENTWICKLER HABEN MIR EINEN GEBLASEN; DAMIT ICH DEN SCHROTT FRÜHER GESPIELT HABE! Und jetzt wollen die Geld dafür? Dafür wollen die Geld? Als ob. Wie hohl mus man sein, um dafür Geld hinzulegen! Also ich nicht. Du etwa? Na eben. Auf zur Revolution!
  • Strategie #5 – Hass ist unsere Attitüde! Die da machen was Böses. Die da. Genau die! Genau, du hat es auch erkannt. Sind wir nicht die geilsten Typen ever, dass wir das verstanden haben? Dieser Komplex aus Medien und Publishern, die Geldgeilheit, die Verlogenheit – ekelhaft. Aber wir wissen Bescheid. Wir machen es besser. Wir sind besser. Diese Arschlöcher werden bezahlen.

 

Das wird man doch mal sagen dürfen!

Sicher ist nach all dem Sarkasmus: Es gibt für alle hier genannten Dinge wunderschöne Gründe. Die machen auch Sinn, sie sind logisch, sie sind nachvollziehbar – Enttäuschung, Emotionen, Sorgen, schwer abzuschätzende Produktionsaufwände, rechtliche Bedingungen, Zuspitzung, klare Kante gegen fast ungreifbare PR-Behauptungen und Co. könnten hier genannt werden und decken doch nur einen winzigen Teil all der Millionen kleinen Dinge ab, wegen denen all das oben genannte Zeug passiert. Aber wisst ihr was? Heute haben wir mal keinen Bock drauf, sachlich zu sein, während der Rest der Gaming-Welt in einer Kakophonie epischen Ausmaßes erstickt und verreckt. Man könnte heulen, wenn man versucht, eine Diskussion zu führen. Man möchte kotzen, wenn statt ehrlicher Ankündigungen alles in Superlativen getränkt wird. Und man möchte manche Redaktionen aufhängen, weil entweder bedingungslos gehypt oder nur winzige mögliche Probleme aus dem Kontext gerissen und auf Überlebensgröße aufgeblasen werden, damit die Clicks und damit die Werbeeinnahmen stimmen. Und wir haben grade keinen Bock mehr. Das musste mal gesagt werden. Und damit transformieren wir uns wieder zurück zum lieben, sachlichen und seriösen Nachrichtenmagazin.

Editor & Admin of battlefieldseries.de knowing everything about shooters. Marketing man. All thoughts my own. Call me Mike or forget it. #Yolo #Swag #Catz

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